Zitat des Tages – Thomas Mann zum „Totalitarismus“

Thomas Mann 1937, Foto Carl van Vechten

Den russischen Kommunismus mit dem Nazifaschismus auf die gleiche moralische Stufe zu stellen, weil beide totalitär seien, ist bestenfalls Oberflächlichkeit, im schlimmeren Falle ist es – Faschismus. Wer auf dieser Gleichstellung beharrt, mag sich als Demokrat vorkommen, in Wahrheit und im Herzensgrund ist er damit bereits Faschist und wird mit Sicherheit den Faschismus nur unaufrichtig und zum Schein, mit vollem Haß aber allein den Kommunismus bekämpfen.“

Thomas Mann, in: Essays, hg. von H.Kurzke, Frankfurt 1986, Bd. 2, S. 311

Thomas Mann schrieb diese Zeilen 1945, also Jahre bevor Hannah Arendt in ihrem Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ eben genau diese Gleichsetzung vornahm. Heute bilden diese Theorie Arendts und die „Enthüllungen“ der sogenannten Geheimrede Chrustschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Grundlage für die Verteufelung Stalins und des „Stalinismus“. Wie aber kommt der Humanist und Literat Thomas Mann zu einer solchen Schlussfolgerung wie oben?

In Extremo – Lieb Vaterland

Sie waren mir als „reine“ Mittelalterrocker bekannt. Mit ihrer neuen Scheibe „Quid pro Quo“ beweisen sie (mir), dass sie wesentlich mehr als das sind …

Besonders angetan hat es mir tatsächlich „Lieb Vaterland magst ruhig sein“. Die Jungs von In Extremo interpretieren diese Textzeile aus dem nationalistischen Lied „Die Wacht am Rhein“ auf eine deutlich andere, pazifistische Art und Weise.

 

Lieb Vaterland, magst ruhig sein

Im Frühjahr, wenn die Blumen blühen,
Ist es Zeit für mich zu ziehen.
Der Flaum am Kinn, so jung an Jahren,
Erste Liebe, kaum erfahren,
Viel Ruhm und Ehr‘ fürs Vaterland,
So ist mir auch vorm Tod nicht bang.
Die Pflicht, sie ruft: „Auf, in die Schlacht!“,
Auf dass sie mich zum Manne macht.

Nun zieh‘ ich in ein fremdes Land,
Hab‘ das Eigene kaum gekannt.
Die Heimat schwindet Stück für Stück,
Die Brüder kehrten nie zurück.
Kanonendonner, Feuerschein,
Werden meine Liebsten sein
Die Fahne flattert stolz im Wind,
Das Herz pocht schnell vor feurig Wind.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Ein jeder stirbt für sich allein
Ich bin klein
Mein Herz ist rein
Kann niemand darin wohnen
Nur der Tod allein

Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Ein jeder stirbt für sich allein.
Ich bin klein, mein Herz ist rein,
Kann niemand darin wohnen,
Nur der Tod allein.

Das Säbelrasseln, nicht mehr weit,
Mein Gott nochmal, jetzt wird es Zeit!
Mutters Tränen sind mir Leid,
Der Waffenrock, mein stolzes Kleid
Wir stürmen vor, die Herzen brennen,
Töten das, was wir nicht kennen.
Haben sorglos all den Tod verlacht,
Was hat die Welt aus mir gemacht!

Aus Schützengräben stöhnt es matt,
Weh dem, der keine Freunde hat!
Die Stiefel hart, die Wangen blass,
Die Wunden rot, den Blick voll Hass,
Auf Blut getränkter Erde dann
Bricht der Zweifel seinen Bann
Am Ende steht mir zu der Lohn,
Es rollt mein Kopf vor deinen Thron.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
Jeder stirbt für sich allein.
Ich bink klein, mein Herz ist rein
Kann niemand darin wohnen,
Nur der Tod allein.