Achaz von der Schulenburg

Bild in Beetzendorf (zumindest bis zum II. Weltkrieg)

Auch die Familie von der Schulenburg ist eng verbunden mit der altmärkischen Geschichte. Die Reste der Stammburg des weitverzweigten Geschlechts findet sich unweit Salzwedels. Achaz oder auch Achatz von der Schulenburg war Generalleutnant der preußischen Armee und Chef eines Dragoner-Regiments (später Nr.5).

  • geboren am 09.10.1669 in Apenburg (Kreis Salzwedel)
  • Vater Dietrich Herrmann, kurbrandenburgischer Landesdirektor und Kriegskommissar der Altmark, Herr auf Apenburg, Beetzendorf und Rittleben, geboren 1638 in Salzwedel
  • Mutter Amalie geb. Freiin von der Schulenburg a.d.H. Beetzendorf
  • 16.10.1685 Student der Universität Frankfurt/O.
  • 1687 Ritterakademie in Wolfenbüttel
  • 1688 Junker am kurbrandenburgischem Hof
  • 1689-1695 Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich, Belagerungen von Kaiserswerth und Bonn
  • 1690 Kornett bei der brandenburgischen Gardedukorps
  • 1694 Kapitän
  • 1701 bei der Krönung in Königsberg
  • 24.10.1702 Major beim Leibregiment zu Pferde
  • 1702-1711 Teilnahme am Feldzug: Belagerungen von Ath, Lille und Tournai, Schlachten von Oudenard und Malpaquet
  • 11.06.1705 Oberstlieutenant
  • 23.11.1709 Oberst
  • 04.06.1711 Kommandeur des Regiments zu Pferde Heyden
  • 1715 Teilnahme am Feldzug in Pommern
  • 02.04.1717 Chef des durch ihn aufgestellten Dragonerregiments (Nr.5)
  • 09.06.1719 Generalmajor
  • 15.07.1729 Generallieutenant mit Patent vom 15.09.1728
  • 1730 Vorsitzender des Kriegsgerichts zu Köpenick über den Kronprinzen, Katte usw.
  • 09.08.1731 in Berlin gestorben
  • 01.08.1731 Oberst von Kalckstein und Landrat von Bismarck werden vom König als Vormunde für seine Kinder bestellt
  • Achaz von der Schulenburg war Herr auf Beetzendorf und Apenburg
  • verheiratet seit dem 14.04.1714 mit Sophie Magdalena von Münchhhausen

Achaz von der Schulenburg war ein Freund König Friedrich Wilhelm I., mit dem er in regem Briefaustausch stand. Neben militärischen Dingen ging es dabei vor allem um politische Fragen, insbesondere Hannover betreffend. Berühmt wurde unser General wohl vor allem durch seine standhafte Haltung als Vorsitzender des Köpenicker Kriegsgerichtes gegen Kronprinz Friedrich, Katte u.a. Schulenburg war gegen das Todesurteil gegen Katte und blieb auch dabei, als König Friedrich Wilhelm I. das erste Urteil des Kriegsgerichts nicht anerkannte und ein neues verlangte.

In der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ findet man zum Vorgang:

Am 22. October 1730 ernannte ihn der König zum Vorsitzenden des Kriegsgerichtes, welches über „Prinz Friedrich, den gewesenen Lieutenant v. Katte, die Lieutenants v. Ingersleben und Spaen und den desertirten Lieutenant v. Keith“ zu Recht erkennen sollte. Am 25. d. M. versammelte sich das Kriegsgericht im Schlosse zu Köpenick. Am 27. ward der Spruch gefällt. Eine Meinungsverschiedenheit unter den Richtern bestand nur hinsichtlich des Lieutenants v. Katte. Es standen drei Todesurtheile gegen zwei mildere. Von des Vorsitzenden Wahrspruche hing das Schicksal des Angeklagten ab. Wenn durch dasselbe Stimmengleichheit eintrat, so galt nach den Kriegsrechten die mildere Meinung als der Gesammtwille. S.|schloß sich dieser Meinung an, indem er auf ewiges Gefängniß erkannte. Der König war mit dem Spruche nicht einverstanden. Er schickte denselben zurück und schrieb dazu „Sie sollen Recht sprechen und nit mit dem Flederwisch darüber gehen“. Neben diesem Ausdrucke des königlichen Unwillens vermerkte S. in den Acten mit zitternder Hand drei Stellen der Heiligen Schrift, darunter das Wort „Sehet zu, was Ihr thut, denn Ihr haltet das Gericht nicht den Menschen, sondern dem Herrn“. Die Richter traten am 31. von neuem zusammen und blieben bei dem Urtheile, welches sie als das richtige erkannt hatten. Der König aber faßte seine Stellung als Kriegsherr und oberster Richter dahin aus, daß er das Urtheil nicht nur mildern, sondern auch schärfen könne, und ließ Katte enthaupten. In Beziehung auf die Schuld des Prinzen Friedrich hatte unter den Richtern volle Uebereinstimmung geherrscht. Sie hielten sich für nicht zuständig und bezeichneten den Gegenstand der Anklage als eine Staats- und Familiensache, „welche einzusehen und zu beurtheilen ein Kriegsgericht sich nicht erkühnen darf“. Dabei beruhigte sich der König.

Literatur:

Priessdorff, „Soldatisches Führertum“, Band I, S. 120, Nr. 197

Poten, Bernhard von, „Schulenburg, Achaz von der“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 659-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104160241.html

Aus dem Leben eines Grenzers

Ich war Grenzer, also „Angehöriger der Grenztruppen der DDR“ wie die offizielle Bezeichnung lautete. Zwischen 1982 und 1990 trug ich die Uniform. Es ist wohl nich unüblich, das Söhne dem Vorbild ihres Vaters folgen und dessen Beruf ergreifen. So war es auch bei mir. Unter eher untypischen Umständen wurde mein Vater 1955 – immerhin schon 2-facher Vater – zur Grenzpolizei „delegiert“ (auf die überlieferten Umstände möchte ich im Moment nicht näher eingehen). Aus der „freiwilligen Verpflichtung“ zu einer 3-jährigen Dienstzeit, wurden am Ende 26 Jahre. Er begann als Soldat und wurde 1981 als Major in die Reserve entlassen.

Beim Wühlen in alten Bildern und Dokumenten stieß ich heute auf eine kleine Sammlung von Fotos, die diesen Weg bruchstückhaft dokumentieren (nicht immer im richtigen zeitlichen Kontext)  – also Bilder aus dem Leben eines Grenzers:

 

 

Artikel von Wladimir Putin zum Beginn des 2. Weltkrieges

Ich möchte den heutigen Tag zum Anlass nehmen (heute vor 79 Jahren überfiel Deutschland die Sowjetunion), auf einen Artikel zum 2. Weltkrieg zu verweisen. Geschrieben hat ihn Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation. Bereits im November 2019 angekündigt, wurde er am 19. Juni auf der Webseite des russischen Präsidenten veröffentlicht, sowohl in (natürlich) russisch als auch in englisch. Torsten Röper steuert in seinem Internetauftritt eine deutsche Übersetzung bei.

Ich halte den Artikel für sehr wichtig, zeigt er doch die Positionen Putins v.a. auch zur Geschichte des Beginns dieses Krieges, die Rolle der Westmächte und Polens zu Beginn des Krieges. Dem Versuch Geschichte „umzuschreiben“ – wie es in den vergangenen Jahren immer wieder versucht wird – tritt er damit entgegen. Insbesondere Polen tritt dabei in den vergangenen Monaten stark hervor.

Bereits in der Benennung der Ursachen des Krieges nennt Putin einen gewichtigen Grund:

Die Ursachen des Zweiten Weltkriegs sind größtenteils auf die Entscheidungen zurückzuführen, die nach dem Ersten Weltkrieg getroffen wurden. Der Versailler Vertrag ist für Deutschland zu einem Symbol tiefer Ungerechtigkeit geworden. De facto ging es darum, das Land auszurauben, das den westlichen Verbündeten enorme Reparationen zahlen musste, was seine Wirtschaft vollkommen erschöpft hat. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, der französische Marschall Foche, hat Versailles prophetisch charakterisiert: „Das ist kein Frieden, das ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“

Es war die nationale Demütigung, die den Nährboden für radikale und revanchistische Gefühle in Deutschland geschaffen hat. Die Nazis haben geschickt mit diesen Gefühlen gespielt, haben ihre Propaganda darauf aufgebaut und sie versprachen, Deutschland vom „Erbe von Versailles“ zu befreien, seine frühere Macht wiederherzustellen, damit haben sie das deutsche Volk in einen neuen Krieg getrieben. Es ist paradox, aber westliche Staaten, insbesondere das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, haben das direkt oder indirekt ermöglicht. Ihre Finanz- und Industriekreise haben sehr aktiv in deutsche Fabriken investiert, die militärisches Material hergestellt haben. Und unter der Aristokratie und dem politischen Establishment im Westen gab es viele Anhänger radikaler, rechtsextremer, nationalistischer Bewegungen, die damals in Deutschland und Europa an Zulauf gewannen.

Aus dem Artikel

Nicht alles im Artikel halte ich für richtig und wichtig, allerdings werden durch Putin eine Reihe historischer Fakten genannt, die – trotz Propagandagetöse – unbestritten sind.

Ich möchte hier auf den gesamten Text auf der Webseite Thomas Röpers verweisen, stelle den gesamten Text aber auch als Download in der Rubrik Geschichte/2. Weltkrieg zum Download bereit.

Update 24.06.: Auf der Seite der russischen Botschaft in Deutschland findet sich nunmehr auch eine offizielle Übersetzung.