Garnison Salzwedel – Dragoner-Regiment Nr. 5

Nachdem ich feststellte, dass Salzwedel nicht erst wieder 1866 Garnison eines preußischen Regiments wurde, hier nun eine kurze Geschichte des Dragoner-Regiments 5, dass zwischen 1860 und 1864 hier in Salzwedel (und Gardelegen) stationiert war.

Auf „Allerhöchste Kabinetts Order“ (AKO) wurden am 07.05.1860 10 Kavallerieregimenter „Gestiftet“, d.h. ihre Aufstellung befohlen. Darunter das hier interessierende Dragoner-Regiment. Anders als im vorherigen Artikel geschrieben, wurde das Regiment nicht aus Dragonern gebildet, sondern die Husaren-Regimenter 7, 9 und 11 gaben jeweils ihre 5. Eskadron ab, das Husaren-Regiment 8 seine 4. Als Standorte wurden Salzwedel (Stab, 1. und 2. Eskadron) und Gardelegen (3. und 4. Eskadron) befohlen. Der Abmarsch der Eskadronen begann am 29.05. Die Einheiten erreichten zwischen dem 04.07. und dem 01.08. ihre Standorte. Ab Juli 1860 führte das Truppenteil die Bezeichnung „Rheinisches Dragoner-Regiment (Nr.5)“, die Klammern entfielen am 07.05.1861.

Während in der ersten Zeit die alten Husarenuniformen aufgetragen wurden, wurden die nunmehrigen Dragoner nach und nach mit ihren neuen Uniformen ausgestattet:

  • kornblumenblauer Waffenrock mit schwedischen Aufschlägen
  • anthrazitfarbenen Hosen
  • Abzeichenfarbe poinceaurot (Ärmelaufschläge, Kragen, Epauletten)
  • Knöpfe und Beschläge weiß („tombak“)
  • am Helm schwarzer Haarbusch mit Dragoneradler und Schuppenkette

Die Verhältnisse in den Garnisonsstädten waren für die Dragoner anfangs sehr schwierig, weder Salzwedel noch Gardelegen verfügten über Kasernen, die MAnnschaften waren in beiden Städten sehr verstreut untergebracht. Die in Salzwedel vorhandene Reitbahn (wohl noch von den bis 1806 hier stationierten Kürassieren stammend), genügte den Ansprüchen. In Gardelegen musste eine solche erst gebaut werden und wurde – Anfang 1861 fertig gestellt – als sehr mangelhaft empfunden. Im Gegensatz dazu wurde der Exerzierplatz in Salzwedel als zu klein bezeichnet (wohl auch noch vom KR 7 stammen), die erforderlichen Regimentsexerzieren fanden deshal in Gardelegen statt. Die Salzwedeler bezeichnen den heutigen Heinrich-Heine-Platz übrigens noch immer als „Exerzierplatz“, obwohl er in den vergangenen 150 Jahren mehrfach den Namen wechselte.

In der kurzen Zeit der Stationierung gab es wenige bemerkenswerte Ereignisse:

  • 14.08.1862 Besichtigung durch König Wilhelm I.
  • 17.03.1863 Gedenktag des „Aufrufs an mein Volk“ mit Gottesdienst und Parade an beiden Standorten
  • Besuch des „Kronprinzenpaares“ im Früjahr 1863

Ende 1864 wurde das Regiment nach Norddeutschland verlegt. Stab, 1., 2. und 3. Eskadron kamen nach Schleswig, die 4. nach Kiel.

Erstmalig eingesetzt wurde das Regiment im Krieg 1866. Gegen das mit Österreich verbündete Königreich Hannover eingesetzt, nahm es an der Schlacht bei Langensalza teil. Nach der Kapitulation Hannovers wurden die Dragoner der Mainarmee und General von Manteuffel unterstellt und waren am Vormarsch auf Fulda beteiligtund es galt einige Gefechte mit bayrischen Truppen zu bestehen. Im Juli schloss sich das Regiment dem Vormarsch auf Frankfurt a.M. und den Odenwald an. Kämpfe an der Tauber. Letzte Gefechte fanden am 02.08.1866 bei Würzburg statt.

Nach dem Krieg bezog das Regiment Garnison in Frankfurt a.M. und Mainz. Im Krieg 1870/71 sicherte die Dragoner zunächst die Grenze in der Pfalz, nahmen dann an der Schlacht von Sedan teil, nahm am Vormarsch auf Paris teil und beteiligte sich an den Kämpfen gegen die französische Loire-Armee.

Im Januar 1871 kehrten das Regiment in seine Garnisonen zurück. Bereits 1875 erhielt es neue Garnison in Hofgeismar. Hier blieben die Dragoner bis zur Auflösung des Regiments 1919. Da General Freiherr von Manteufell zwischen 1866 und 1885 Chef des Regiments war (in der „neuen“ preußischen Armee nach 1806 ein reiner Ehrentitel), erhielz da Regiment laut AKO vom 27.01.1889 seine endgültige Bezeichnug; Dragoner-Regiment „Freiherr von Manteuffel“ (Rheinisches) Nr.5.

Zu Beginn des I. Weltkrieges marschierten die Dragoner im August 1914 nach Westen, wo sie in einzelne Grenzgefechte verwickelt waren. Bis Ende März 1915 versahen sie Patroullien- und Sicherungsdienste in Belgien. Nach der Verlegung an die Ostfront beteiligt an Kämpfen in Litauen und Kurland (Schlacht bei Wilna) und danach bis Februar 1917 im Feldzug gegen Rumänien eingesetzt. Im März 1917 Verlegung in den Westen und mit Grenzschutzaufgaben gegen die Niederlande betraut. Ende 1917 infanteristisch zu Sicherungsaufgaben in der Etappe der „Siegfried-Linie“ eingesetzt, waren sie danach – gemeinsam mit dem Husaren-Regiment 14 – als „Schützenregiment Preußen an der Ostfront im Einsatz. Ab Juni 1918 wieder beritten, versahen sie Sicherungsaufgaben in der Ukraine.

Nach dem Waffenstillstand Rückmarsch nach Hofgeismar und nach Eintreffen am Standort am 28.02.1919 Demobilisierung und Auflösung des Truppenteils. Die Tradition führte in der Reichswehr die 2. Eskadron des 16. Reiter-Regiments in Hofgeismar.

Herr Riebau schließt in seinem Buch den Beitrag über das Dragoner-Regiment mit den Sätzen: „In der Altmark ist die Erinnerung an das Dragoner-Regiment (Rheinisches) Nr. 5 schnell verblasst. Das mag seinen Grund in der sehr kurzen Stationierung in Salzwedel und Gardelegen haben.“

Quellen:

Wikipedia, Herbert Riebau „Die Regimenter der Altmark“

Salzwedel als Garnisonsstadt – Dragoner-Regiment 5

Deckblatt des Buches (Bild von Picclick.de)

An sich war ich mir sicher, dass ich nunmehr alle preußischen Garnisonen meiner Heimatstadt Salzwedel hier im Blog erwähnt habe. Weit davon entfernt die Geschichte aller Truppenteile auch nur ansatzweise erfasst zu haben (allein das Projekt Kürassier-Regiment 7 ist etwas fortgeschrittener), stieß ich nun per Zufall auf ein weiteres Regiment, dessen Geschichte mit Salzwedel verbunden ist: das (neu) Preußische Dragoner Regiment „Freiherr von Manteuffel“ (Rheinisches) Nr. 5 war seit seiner Aufstellung 1860 bis 1864 hier in Garnison. Nach seinem Einsatz im „deutschen Krieg“ gegen Dänemark kehrte das Regiment nicht mehr in seine Garnison zurück.

Das Regiment war durch königliche Order vom 07.05.1860 neu aufgestellt worden, als Garnisonen wurden für den Stab, die 1. und 2. Eskadron Salzwedel, für die 3. und 4. Eskadron Gardelegen bestimmt. Das Regiment wurde durch Abgabe kompletter Eskadronen aus anderen Regimentern aufgestellt. Es erhielt Personal aus den Dragoner-Regimentern Nr. 7, 8, 9 und 11. Erster Regimentskommandeur war ein Major von Schönemarck.

Wie gesagt bis vor wenigen Tagen war mir das vollkommen unbekannt. Ein Bekannter schenkte mir ein kleines Büchlein (60 Seiten) mit dem Titel „Die Regimenter der Altmark“ von einem Herbert Riebau. Hier fand ich die diesbezüglichen Informationen. Umfang und Aufmachung lassen auf einen Hobby-Militärforscher wie mich selbst schließen, der im Selbstverlag die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte. Herr Riebau bezeichnet das Buch im Vorwort als „Bildband“ und Bilddokumente dominieren die „Kapitel“ über die einzelnen Regimenter. Das v.a. bei 2 Truppenteilen etwas umfangreicher: das „Magdeburger Husaren-Regiment Nr. 10“ (seit 1884 in Stendal ) und dem „Ulanen-Regiment „Hennigs von Treffenfeld (Altmärkisches) Nr. 16), dass ja bekanntlich von seiner Aufstellung 1866 bis zur Auflösung 1919 Garnison in Salzwedel und Gardelegen hatte.

Für mich ein weiteres interessantes Detail zur Militärgeschichte Salzwedels. Überraschend wie sehr Details dieser Geschichte in Vergessenheit geraten sind, bzw. mir bis Dato völlig unbekannt waren. Ich erinnere an die „Entdeckung“ der ja nicht kurzen Geschichte des Kürassier-Regiments 7 in meiner Wahlheimat.

Die Regimenter der Altmark, Herbert Riebau
ISBN 978-3-86595-505-0
1. Auflage 2013
Geiger-Verlag

Corona 5 – Maskenball

Ich bin an sich gar nicht gewillt soviel über Corona zu schreiben, aber die letzte Glanzleistung der Landesregierung Sachsen-Anhalts zwingt mich dazu. Die ab morgen geltende Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen werde auch ich nicht umgehen können. Allerdings bin ich nicht bereit, eine nutzlose OP-Maske o.ä. käuflich zu erwerben (zumal die Preise inzwischen jenseits von Gut und Böse sind). Den Gedanken meine 30 Jahre alte Truppenschutzmaske aus seligen Zeiten zu verwenden verwarf ich wegen den eingebauten 30 Jahre alten Filtern, da ich mir ihrer Funktionalität nicht sicher bin.

So ähnlich sieht sie aus, meine alte TSM PBF (Bild von http://www.atemschutzddr.de)

Der Vorteil des abgebildeten Modells liegt tatsächlich in der vorhandenen Sprechmembran und dem Adapter für die (ebenfalls mehr als 30 Jahre alte) Feldflasche. Aber wie schon festgestellt: Alter und Zweifel an der Funktionalität ließen mich von der ursprünglichen Idee Abstand nehmen.

Als Motorradfahrer verfügt man über einige Utensilien zum Schutz der zarten Haut an Hals und Gesicht. In meinem Besitz befinden sich natürlich auch solche Ergänzungen. Favorit hier die sogenannte „Oma“, im Fachhandel als Sturmmaske bezeichnet.

An sich war ich mit der von mir getroffenen Wahl ganz zufrieden, war es doch eine einfache Lösung, kostet mich kein zusätzliches Geld und dokumentiert auch noch den von mir im Moment bevorzugten Motorradhersteller. Aber dann bekam ich heute diesen Entwurf zugesandt:

Ich geriet ins Grübeln und denke immer noch über einen Bastelnachmittag nach …