Neue Literatur – Adolf Menzel und sein Armeewerk

Im Moment scheine ich ein glückliches Händchen zu haben, was das Aufinden von Quellen zu meinen „historischen Sudien“ betrifft: habe ich erst letzte Woche das Buch vom Deutschen Historischen Museum erworben, konnte ich jetzt sogar einen Faksimile-Druck  des „Armeewerks“ von Menzel für relativ bescheidenes Geld erwerben. Neben den Farbtafeln über die Uniformierung der Salzwedeler Kürassiere stehen mir nunmehr also Bilder über die Uniformen aller Regimenter der friderizanischen Armee zur Verfügung. Die Qualität ist hervorragend und so habe ich sehr gute Voraussetzungen meinem Hobby zu fröhnen.

Interessant auch die Geschichte, wie die qualitativ hochwertige Arbeit entstand. Einer der Verlagsbesitzer schilderte mir das so:

Ein Mitglied der „Gesellschaft für Uniform- und Heereskunde“ besaß den Band 1 und vermittelte mich an den Eigentümer eines Schlosses in der Schweiz, der die Bände 2 und 3 sein Eigen nannte.
Seine Sekretärin stellte mich telefonisch jedes Mal mit dem Hinweis „Da ist wieder der Herr Krise . . .“ zu ihrem Chef durch. Ihm fehlte Band 1 und die höchstens 16 Grad kühlen und feuchten Bibliothek seines Schlosses gefährdeten die Farben der Blätter seiner Bände 2 und 3. 
Auf der Rückreise von einem Skiurlaub händigte er mir verabredungsgemäß seine beiden Bände 2 und 3 erstaunlicherweise ohne große Formalitäten zum mehrmonatigen Verbleib in Hamburg aus.
Er verlangte nicht mehr als 4 komplette gedruckte Exemplare „für seine Schlösser“!
 
Geschichten die das Leben schreibt! Auf jeden Fall haben die Herren vom LTR-Verlag ganze Arbeit geleistet und so Menzels Armeewerk für die interessierte Gemeinschaft zugänglich gemacht! Vielen Dank noch einmal von meiner Seite!
 
 
 
 

Kürassiere in Salzwedel – Teil IV zum Download

Nun hat es tatsächlich mehr als 3 Jahre gedauert, dass ich den nächsten Abschnitt zur Geschichte der „Salzwedeler“ Kürassiere fertig und zum Download bereit gestellt habe. Allerdings bediene ich mich eines kleinen Tricks und schildere lediglich einen Teil des 2 Schlesischen Krieges, nämlich nur bis zur Schlacht von Hohenfriedeberg …

Ich hatte ja schon beschrieben wie schwer mir die Arbeit hier fällt, denn die inzwischen sehr gute Quellenlage verführt dazu zu detailgenau zu werden und führt daher zu einer Zersplitterung während der Recherchen. Eines der neu erworbenen Bücher möchte ich an dieser Stellen noch erwähnen: seit Freitag bin ich stolzer Besitzer des vom Deutschen Historischen Museum in Berlin herausgegebenen Buches (eigentlich 2 Bände) „Friedrich der Große und die Uniformierung der preußischen Armee von 1740 bis 1786“, eine wirklich hervorragende Arbeit.

 

In der Detailbeschreibung bei Amazon heisst es:

 Erstmalig werden alle über 200 friderizianischen Uniformstücke aus der Sammlung des Berliner Zeughauses, die heute noch im Deutschen Historischen Museum erhalten sind, in erstklassigen, detailgenauen Farbfotografien gezeigt und mit genauesten Maßangaben und Beschreibungen einzeln vorgestellt. Viele dieser Originale waren bisher gar nicht oder nur durch Zeichnungen oder alte Aufnahmen geringer Qualität bekannt. Ergänzend werden altpreußische Realien aus weiteren europäischen Sammlungen publiziert. Rund 1500 Fotos der fast vollständigen Reihe von Grenadier- und Füsiliermützen, viele Uniformröcke sowie einer Fülle weiterer Stücke wie Kürassier-Kollets und Husaren-Dolmane, Säbeltaschen, Schabracken, Patronentaschen und Hüte führen dem Leser die Uniformierung zur Zeit Friedrichs des Großen vor Augen.

Achaz von der Schulenburg

Bild in Beetzendorf (zumindest bis zum II. Weltkrieg)

Auch die Familie von der Schulenburg ist eng verbunden mit der altmärkischen Geschichte. Die Reste der Stammburg des weitverzweigten Geschlechts findet sich unweit Salzwedels. Achaz oder auch Achatz von der Schulenburg war Generalleutnant der preußischen Armee und Chef eines Dragoner-Regiments (später Nr.5).

  • geboren am 09.10.1669 in Apenburg (Kreis Salzwedel)
  • Vater Dietrich Herrmann, kurbrandenburgischer Landesdirektor und Kriegskommissar der Altmark, Herr auf Apenburg, Beetzendorf und Rittleben, geboren 1638 in Salzwedel
  • Mutter Amalie geb. Freiin von der Schulenburg a.d.H. Beetzendorf
  • 16.10.1685 Student der Universität Frankfurt/O.
  • 1687 Ritterakademie in Wolfenbüttel
  • 1688 Junker am kurbrandenburgischem Hof
  • 1689-1695 Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich, Belagerungen von Kaiserswerth und Bonn
  • 1690 Kornett bei der brandenburgischen Gardedukorps
  • 1694 Kapitän
  • 1701 bei der Krönung in Königsberg
  • 24.10.1702 Major beim Leibregiment zu Pferde
  • 1702-1711 Teilnahme am Feldzug: Belagerungen von Ath, Lille und Tournai, Schlachten von Oudenard und Malpaquet
  • 11.06.1705 Oberstlieutenant
  • 23.11.1709 Oberst
  • 04.06.1711 Kommandeur des Regiments zu Pferde Heyden
  • 1715 Teilnahme am Feldzug in Pommern
  • 02.04.1717 Chef des durch ihn aufgestellten Dragonerregiments (Nr.5)
  • 09.06.1719 Generalmajor
  • 15.07.1729 Generallieutenant mit Patent vom 15.09.1728
  • 1730 Vorsitzender des Kriegsgerichts zu Köpenick über den Kronprinzen, Katte usw.
  • 09.08.1731 in Berlin gestorben
  • 01.08.1731 Oberst von Kalckstein und Landrat von Bismarck werden vom König als Vormunde für seine Kinder bestellt
  • Achaz von der Schulenburg war Herr auf Beetzendorf und Apenburg
  • verheiratet seit dem 14.04.1714 mit Sophie Magdalena von Münchhhausen

Achaz von der Schulenburg war ein Freund König Friedrich Wilhelm I., mit dem er in regem Briefaustausch stand. Neben militärischen Dingen ging es dabei vor allem um politische Fragen, insbesondere Hannover betreffend. Berühmt wurde unser General wohl vor allem durch seine standhafte Haltung als Vorsitzender des Köpenicker Kriegsgerichtes gegen Kronprinz Friedrich, Katte u.a. Schulenburg war gegen das Todesurteil gegen Katte und blieb auch dabei, als König Friedrich Wilhelm I. das erste Urteil des Kriegsgerichts nicht anerkannte und ein neues verlangte.

In der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ findet man zum Vorgang:

Am 22. October 1730 ernannte ihn der König zum Vorsitzenden des Kriegsgerichtes, welches über „Prinz Friedrich, den gewesenen Lieutenant v. Katte, die Lieutenants v. Ingersleben und Spaen und den desertirten Lieutenant v. Keith“ zu Recht erkennen sollte. Am 25. d. M. versammelte sich das Kriegsgericht im Schlosse zu Köpenick. Am 27. ward der Spruch gefällt. Eine Meinungsverschiedenheit unter den Richtern bestand nur hinsichtlich des Lieutenants v. Katte. Es standen drei Todesurtheile gegen zwei mildere. Von des Vorsitzenden Wahrspruche hing das Schicksal des Angeklagten ab. Wenn durch dasselbe Stimmengleichheit eintrat, so galt nach den Kriegsrechten die mildere Meinung als der Gesammtwille. S.|schloß sich dieser Meinung an, indem er auf ewiges Gefängniß erkannte. Der König war mit dem Spruche nicht einverstanden. Er schickte denselben zurück und schrieb dazu „Sie sollen Recht sprechen und nit mit dem Flederwisch darüber gehen“. Neben diesem Ausdrucke des königlichen Unwillens vermerkte S. in den Acten mit zitternder Hand drei Stellen der Heiligen Schrift, darunter das Wort „Sehet zu, was Ihr thut, denn Ihr haltet das Gericht nicht den Menschen, sondern dem Herrn“. Die Richter traten am 31. von neuem zusammen und blieben bei dem Urtheile, welches sie als das richtige erkannt hatten. Der König aber faßte seine Stellung als Kriegsherr und oberster Richter dahin aus, daß er das Urtheil nicht nur mildern, sondern auch schärfen könne, und ließ Katte enthaupten. In Beziehung auf die Schuld des Prinzen Friedrich hatte unter den Richtern volle Uebereinstimmung geherrscht. Sie hielten sich für nicht zuständig und bezeichneten den Gegenstand der Anklage als eine Staats- und Familiensache, „welche einzusehen und zu beurtheilen ein Kriegsgericht sich nicht erkühnen darf“. Dabei beruhigte sich der König.

Literatur:

Priessdorff, „Soldatisches Führertum“, Band I, S. 120, Nr. 197

Poten, Bernhard von, „Schulenburg, Achaz von der“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 659-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104160241.html