Aus dem Leben eines Grenzers

Ich war Grenzer, also „Angehöriger der Grenztruppen der DDR“ wie die offizielle Bezeichnung lautete. Zwischen 1982 und 1990 trug ich die Uniform. Es ist wohl nich unüblich, das Söhne dem Vorbild ihres Vaters folgen und dessen Beruf ergreifen. So war es auch bei mir. Unter eher untypischen Umständen wurde mein Vater 1955 – immerhin schon 2-facher Vater – zur Grenzpolizei „delegiert“ (auf die überlieferten Umstände möchte ich im Moment nicht näher eingehen). Aus der „freiwilligen Verpflichtung“ zu einer 3-jährigen Dienstzeit, wurden am Ende 26 Jahre. Er begann als Soldat und wurde 1981 als Major in die Reserve entlassen.

Beim Wühlen in alten Bildern und Dokumenten stieß ich heute auf eine kleine Sammlung von Fotos, die diesen Weg bruchstückhaft dokumentieren (nicht immer im richtigen zeitlichen Kontext)  – also Bilder aus dem Leben eines Grenzers:

 

 

Dienstvorschrift der Grenzpolizei – DV III/2 von 1956

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich diese Dienstvorschrift schon einmal bereit gestellt, allerdings muss sie bei dem einen oder anderen Serverupdate verlustig gegangen sein. Neu im Downloadbereich im Bereich Grenztruppen der DDR nunmehr die DV III/2 „Dienstvorschrift für den Dienst der Grenzposten“ vom 12. September 1956. Erlassen vom Innenminister, bis 1961 unterstand ihm ja die Grenzpolizei.

Interessanterweise finden sich auf den Webseiten des BStU einige Dienstvorschriften der Grenzpolizei bzw. den Grenztruppen. Wer mit dem Wesen solcher Dokumente vertraut ist und sich die Mühe macht diese zu lesen, erkennt schnell, dass auch 1956 die enthaltenen Schußwaffengebrauchsbestimmungen alles Andere als ein „Schießbefehl“ waren. Deshalb die gummiartige Formulierung, dass die Dienstvorschriften durch „nachfolgende Befehle“ außer Kraft gesetzt wurden. Ein Ding der (militärischen) Unmöglichkeit, wie ich meine.

Auch dieses Projekt – Veröffentlichung von Dienstvorschriften der Grenzpolizei/Grenztruppen – werde ich zu gegebener Zeit fortsetzen.

Tag der Grenztruppen 2019

Auch in diesem Jahr meine Erinnerung an den Jahrestag der Grenztruppen der DDR. Die Erinnerungen werden schwächer, der als Zeitgeist bezeichnete Mainstream übernimmt die Deutungshoheit und die Versuche der realistischen Darstellung werden schwächer.

Der letzte Eintrag auf der Seite der „Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung“ zum Thema Grenztruppen datiert von 2015, das ambitionierte Projekt der „Interessengemeinschaft Grenzernachlässe und Archiv“ führt außerhalb der Startseite zu 404 Fehlern. Beide Projekt scheinen einzuschlafen, das Problem löst sich „biologisch“. Es gelang in beiden Fällen nicht, den Kontakt zu den jüngeren Generationen herzustellen bzw. zu halten. Hoffnung machen einige andere Projekte wie Grenztruppen der DDR oder Grenzkommando. Trotz allem – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung genannten Annexion der DDR bleibt eine ernüchternde Bilanz.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, alle ehemaligen Grenzer zu grüßen. Wir haben ehrenvoll gedient und unseren Beitrag zur Friedenserhaltung geleistet und diese Erkenntnis wird uns keiner nehmen!