Reinhard Mey – Nein meine Söhne geb ich nicht

Ich bin kein Pazifist, bei weitem nicht. Doch dieses Lied von Reinhard Mey hinterliess bereits in der ursprünglichen Fassung von 1986 einen tiefen Eindruck bei mir – immerhin zu einer Zeit in der ich Offizier bei den Grenztruppen der DDR war. Heute mehr als 30 Jahre nach meiner Dienstzeit und dem Erscheinen des Liedes bin ich nicht weniger von der Neuaufnahme beeindruckt. Als Vater und ehemaliger Berufssoldat eint mich Vieles mit dem Komponisten und den Interpreten von 2020, nur eben eines nicht – der Pazifismus.

Ich halte Militär nicht für sinnlos, nur der Einsatz deutscher Soldaten rund um die Welt von Mali bis zum Mittelmeer, der Aufmarsch auch deutscher Truppen an der russischen Grenze, die Teilnahme an den Kriegen in Afghanistan, in Syrien und gegen Jugoslawien entspricht nicht meiner Auffassung soldatischen Seins. Verteidigung der Heimat, der Familie, der Nation – darin sehe ich den Sinn des Soldatseins. Für die Interessen des deutschen Kapitals zu sterben, macht aus dem Drama des Todes des Kindes etwas weit Schlimmeres. Wut ob es einer derart pervertierten „Vaterlandsverteidigung“ wäre wohl das dominierende Gefühl.  Deshalb – nein, unsere Söhne geben wir nicht!

 

Ich denk‘, ich schreib‘ euch besser schon beizeiten
Und sag‘ euch heute schon endgültig ab –
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten
Um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab‘!
Ich lieb‘ die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert –
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo immer es ging, lieben gelehrt!
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind’s wert, dafür zu töten und zu sterben –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht –
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter
Nicht für euch hab‘ ich manche Fiebernacht
Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
Und kühlt‘ ein kleines glühendes Gesicht
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Sie werden nicht in Reih‘ und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt
Auf einem gottverlass’nen Feld erfrieren
Während ihr euch in weiche Kissen setzt!
Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Ich werde sie den Ungehorsam lehren
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit –
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit!
Ich werd‘ sie lehr’n, den eig’nen Weg zu gehen
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht
Vor keinem als sich selber g’radzustehen!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Und eher werde ich mit ihnen fliehen
Als dass ihr sie zu euren Knechten macht –
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen
In Armut und wie Diebe in der Nacht!
Wir haben nur dies eine kurze Leben –
Ich schwör’s und sag’s euch g’rade ins Gesicht:
Sie werden es für euren Wahn nicht geben!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
 
Quelle: Musixmatch
Songwriter: Reinhard Mey

Grenztruppen – der 74. Jahrestag

Schon fast traditionell, wenngleich wieder nicht beabsichtigt möchte ich an den Tag der Grenztruppen erinnern. Gestern vor 74 Jahren übernahmen deutsche Polizeieinheiten Sicherungsaufgaben an den Demarkationslinien der Sowjetischen Besatzungszone. Aus diesen unter Länderhoheit stehenden Einheiten entstanden die Deutsche Grenzpolizei und ab 1961 die Grenztruppen der DDR. Ein Gruß von mir an alle ehemaligen Angehörigen und natürlich Zivilbeschäftigten aus diesem Anlass!

 

Truppenfahne des Grenzregiment 24 „Fritz Heckert“, Standort Salzwedel

Geschichte und Heimat – Altmärkischer Geschichtsverein

Endlich habe ich mir die Mühe gemacht und alle Jahrbücher vom „Altmärkischen Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel“ auf meinen Rechner geholt. Die 1838 gegründete Interessengemeinschaft von Heimatforschern liefert mir ja bereits seit einiger Zeit immer wieder Material für meine „Studien“. Der u.a. von Danneil gegründete Verein befasst und befasste sich – wie der Name es schon zum Ausdruck bringt – mit der regionalen Geschichte, natürlich vor allem mit der Geschichte der Stadt Salzwedel. Interessant sind viele Aspekte für mich, neben den militärhistorischen Beiträgen. So schrieb ich bereits vor 7 Jahren über die zu Befestigungszwecken umgeleiteten Flüsse Jeetze und Dumme. Schon damals basierend auf Forschungen des Geschichtsvereins. Immer wieder gerieten diese Quellen aber in Vergessenheit, das alltägliche Leben forderte seinen Tribut.

Die letzten Tage brachten wieder einmal die Notwendigkeit  von Organisation ins Bewusstsein. Unmengen an PDF-Dateien befinden sich auf meinen diversen Speichermedien, durch Nextcloud an allen Endgeräten verfügbar, aber nicht „katalogisiert“, nicht oder kaum verfügbar gemacht. Diesen Zustand zu ändern wird drängendes Bedürfnis. Da Versuche diese interessante, aber auch langwierige Arbeit „auszulagern“ scheiterten, wieder ein Job für mich. So bin ich wieder einmal beim Erstellen eines „Kataloges“ mit Hilfe von Tellico – der Artikel ist nun auch schon 9 Jahre alt 😉 . Und genau in diesem Zusammenhang kam mir der „Altmärkische Geschichtsverein“ wieder in den Sinn. Die Heimatforscher haben und hatten zum Teil durchaus professionelles Format, wenn mich persönlich auch weder die Besonderheiten des altmärkischen Platts, noch die endlose Geschichte des Adelsgeschlechtes von Kalben sonderlich interessieren. Interessant bleibt die abgedeckte Bandbreite der Beiträge und eben ihr ausgeprägter regionaler Bezug.

So haben mich Artikel des Geheimen Archivrats George Adalbert von Mülverstedt über die preussischen Regimenter in der Altmark sehr interessiert und mir auch Erkenntnisse über die Garnisonsgeschichte meiner Heimatstadt vermittelt. Neu jetzt auch das Wissen über das Kürassier-Regiment 3 – seit 1714 das Leibregiment zu Pferde, 1786 Leibkürassier-Regiment – das einige Jahre hier in Garnison lag. Natürlich nur in Teilen und niemals war Salzwedel Standort des Stabes, aber interessanterweise müssen Einheiten auch nach 1727 neben dem Kürassier-Regiment 7 in der Stadt präsent gewesen sein.

Wir sind wieder beim Ausgangspunkt: die gesammelten Informationen bedürfen einer Kanalisierung, Ordnung muss hinein gebracht werden. Eine Menge Arbeit, die vor allem Disziplin erfordert – eine Eigenschaft über die ich nicht wirklich verfüge …