Zitat des Tages – Analitik zu Stalin

Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass Stalin der einzige sowjetische Kommunist ist, der im Westen so richtig verteufelt wird? Stalin ist das Böse schlechthin, gleichsam mit Hitler.

Kein Lenin, kein Trotzki, kein Breschnew oder Chruschtschow oder sonst jemand aus der frühen oder späten Sowjetzeit wird verteufelt. Obwohl zum Beispiel Leute wie Lenin und Trotzki die Sowjetherrschaft begründet und errichtet haben.

Warum hat es in den Augen des Westens niemand außer Stalin verdient, verteufelt zu werden?

Gefunden bei Analitik …

Manchmal erklärt eine einfache Frage mehr als 1.000 Antworten

Das Ende der Megamaschine – Buchtipp

Bereits 2015 erschien „Das Ende der Megamaschine“ von Fabian Scheidler, ich stieß erst jetzt auf dieses interessante Buch. Scheidler seziert mit Präzision den Mythos vom Fortschritt den die westliche Welt seit Jahrhunderten durchläuft und dabei immer mehr Frieden und Wohlstand verbreitet. Stattdessen zeigt er auf, dass Krieg, Zerstörung, Expansion und Unterdrückung grundlegende Pfeiler des Aufstiegs Europas (und europäisch dominierter Länder) waren und sind. Das Ziel dieser Entwicklung war und ist nicht die Verbesserung des Lebens für die Menschheit, sondern lediglich einer überschaubaren Gruppe von Menschen, der Eliten.

Das System der „Megamaschine“ – Wachsen ohne Begrenzung, immer weiter um immer mehr „Geld“ zu produzieren – stößt nunmehr an seine Grenzen, so Scheidler. Besonders die begrenzten Ressourcen unseres Planeten setzen dem nunmehr am Ende. Gleichzeitig pervertierte das System in der Geschichte immer weiter – immer weniger profitieren, immer mehr verlieren.

Scheidler prophezeit das Ende des Kapitalismus – oder das Ende der Menschheit. Immerhin unterscheidet sich diese Sicht der Dinge wohltuend vom propagierten „Ende der Geschichte“ und dem Kapitalismus als der letzten menschlichen Gesellschaftsform.


Auf Zeuchs Buchtipps fand ich den folgenden Satz, der die Stärke des Buches mMn sehr gut aufzeigt:

In den insgesamt 11 Kapiteln analysiert und belegt Scheidler diese Zusammenhänge und fordert seine LeserInnen heraus. Es wird zunehmend unerträglicher, den Wahnsinn und die menschenverachtenden Auswirkung der Megamaschine zu ertragen. All das nur, um die eigennutzende Gewinnmaximierung zu perfektionieren und Geld um des Geldes Willen weiter anzuhäufen.

 

Kurt Gossweiler – Stalinismusdebatte

Ich hatte schon mehrfach im Blog auf den Historiker Kurt Gossweiler verwiesen. Sein Tod im Mai diesen Jahres veranlasste mich, die auf seiner Webseite veröffentlichten Artikel zu archivieren, da ich befürchtete, dass die Seite irgendwann im Nirwana verschwinden würde. Insbesondere seine Ausführungen zu Stalin und die Stalinismusdebatte haben mir eine neue Sicht auf viele historische Ereignisse vermittelt.

Die Seite existiert weiterhin und es scheinen sich Menschen gefunden zu haben, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das Erbe Kurt Gossweilers zu pflegen. Trotzdem möchte ich auch hier die interessanten Artikel, Briefe, Reden Gossweilers zu verschiedenen Themen zur Verfügung stellen.

Den Anfang macht eine Rede von Kurt Gossweiler im Rahmen der Stalinismusdebatte, die er am 01. Mai 1994 auf einer internationalen Beratung in Brüssel, einberufen von der Partei der Arbeit Belgiens hielt. Die ursprüngliche Überschrift lautete:„Der Anti-Stalinismus – das Haupthindernis für die Einheit aller antiimperialistischen Kräfte und der kommunistischen Bewegung.“

Der Vortrag wurde in der Folge in verschiedenen deutschen und internationalen Publikationen veröffentlicht. 

Der Artikel liegt selbstverständlich im Original vor. Ich habe lediglich den Download von der Webseite kurt-gossweiler.de in eine „lesbare Form“ gebracht, soll heißen lediglich Änderungen in Formatierung und Satz vorgenommen. Als PDF steht Gossweilers Arbeit ab heute unter dem Menu Downloads\Geschichte\Gossweiler zum Download bereit. Den etwas sperrigen Titel habe ich für den Link auf „Stalinismusdebatte1“ verkürzt.

Zum Abschluss ein Zitat aus dem Artikel, der sich u.a. mit den sogenannten „Moskauer Prozessen“ der 30er Jahre beschäftigt, von den „Anti-Stalinisten“ in der Argumentation genutzt, um Stalin als Zerstörer der leninschen Partei zu diffamieren, als Mörder „aufrechter Kommunisten“ zu diskreditieren. Bertold Brecht schrieb zur Konzeption der Angeklagten der „Moskauer Prozesse“:

Die falsche Konzeption hat sie tief in die Isolation und tief in das gemeine Verbrechen geführt. Alles Geschmeiß des In- und Auslandes, alles Parasitentum, Berufsverbrechertum, Spitzeltum, hat sich bei ihnen eingenistet. Mit all diesem Gesindel hatten sie die gleichen Ziele. Ich bin überzeugt, dass dies die Wahrheit ist, und ich bin überzeugt, dass diese Wahrheit durchaus wahrscheinlich klingen muss, auch in Westeuropa, vor feindlichen Lesern. … Der Politiker, dem nur die Niederlage zur Macht verhilft, ist für die Niederlage. Der, der ´Retter´ sein will, führt eine Lage herbei, in der er retten kann, also eine schlimme Lage. … Trotzki sah zunächst den Zusammenbruch des Arbeiterstaates in einem Krieg als Gefahr, aber dann wurde er immer mehr die Voraussetzung des praktischen Handelns für ihn. Wenn der Krieg kommt, wird der ´überstürzte´ Aufbau zusammenkrachen, der Apparat sich von den Massen isolieren, nach außen wird man die Ukraine, Ostsibirien und so weiter abtreten müssen, im Innern Konzessionen machen, zu kapitalistischen Formen zurückkehren, die Kulaken stärken oder stärker werden lassen müssen; aber all das ist zugleich die Voraussetzung des neuen Handelns, der Rückkehr Trotzkis.

Die aufgeflogenen antistalinistischen Zentren haben nicht die moralische Kraft, an das Proletariat zu appellieren, weniger weil diese Leute Memmen sind, sondern weil sie wirklich keine organisatorische Basis in den Massen haben, nichts anbieten können, für die Produktivkräfte des Landes keine Aufgaben haben. Es ist ihnen ebenso zuzutrauen, dass sie zuviel als zu wenig gestehen.

Bertolt Brecht, Schriften zu Politik und Gesellschaft, Bd. 1, 1919-1941, Aufbauverlag Berlin und Weimar, 1968, S.172f

Weitere Dokumente werden folgen …