Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten

Ich wurde bereits mehrfach dafür kritisiert, diesen Satz zu gebrauchen. Die angebliche Urheberschaft der Nazis für diesen Satz wurde mir mehrfach „nachgewiesen“. Trotzdem bleibe ich dabei – gerade auch heute am 100. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – sie haben die Interessen der Arbeiter mehrfach verraten, die Sozialdemokraten. Angefangen von der Bewilligung der Kriegskredite durch die Abgeordneten des Reichstages – auch der Sozialdemokraten – 1914 bis hin zu „Hartz IV“ – seit dem Tod Bebels 1913 war für Arbeiter wenig Gutes von dieser Partei zu erwarten.

Der Spott eines Kurt Tucholsky aus den 20ern findet seine Fortsetzung auch heutzutage. Der von mir sehr geschätzte Marc Uwe Kling – seine „Känguruh“-Werke sollten zur Pflichtliteratur in deutschen Schulen werden – hat den alten kommunistischen Slogan in die Neuzeit „gebeamt“ und erinnert in seinem Lied an so manche Sünde der Sozialdemokraten.

Der Auftritt im Video wurde durch Kling mehrfach aktualisiert, aber die grundsätzliche Aussage des Originaltextes bleibt erhalten …

Natürlich (der zum Video etwas andere Text):

Es gibt da so ’nen Spruch von den alten Kommunisten
mit dem die 1918 ihre falschen Freunde dissten.
Natürlich ham wa heute ’ne andere politische Lage.
Und trotzdem passt der Spruch irgendwie in uns’re Tage.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Wer hat uns verraten? Wer hat uns verkauft?
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Die ham‘ uns verraten und die ham‘ uns auch verkauft.

Ich glaub ich mach ’n Lied daraus mit ’nem Arbeiterkinderchor
Die singen den Refrain dann ihren arbeitlosen Eltern vor.
Es singen schon die Angestellten, die Studenten und die Bauern.
Bald singen sogar die, die noch um Ludwig Ehrhard trauern.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Wer hat uns verraten? Wer hat uns verkauft?
Wer hat uns schlecht beraten? Sozialdemokraten!
Die ham‘ uns verraten und die ham‘ uns auch verkauft.

Karl Liebknecht hatte diesen Spruch auf seinem Schreibtisch stehn.
Und er hängt als Poster heut‘ bei Oskar Lafontaine.
Und auch in Schleswig-Holstein versteht man gut den Sinn
Dort flüsterst’s Heide Simonis beim Tango vor sich hin.

Wer hat mich verraten? Sozialdemokraten!
Wer hat mich verraten? Wer hat mich verkauft?
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Die ham‘ uns verraten und die ham‘ uns auch verkauft.

Und die Neuwahl die ham‘ die ja verloren, damit muss man sich ja befassen
Jetzt kann man endlich aus vollstem Herzen die Regierung wieder hassen.
Ja das Schiff das ist am sinken und die Ratten die flohen sofort.
Doch sie kamen wieder zurück und brachten die schwarze Pest an Bord.

Wer, wer, wer, wer, wer hat uns verraten?
Das war’n doch, sag mal war’n das nicht… Sozialdemokraten.
Das waren die Sozialdemokraten, die ham‘ uns verraten.
Die ham‘ uns verraten, die ham‘ uns verkauft.

Der Sozialstaat und der Sozialismus die sind beide tot.
Übrig sind nur hohle Phrasen und literweise rot.
Und wer steht an ihren Gräbern und hält lächelnd noch die Spaten?
Sagt nichts, lasst mich raten… Sozialdemokraten.
Und das ganze schöne Geld, wer hat’s an die Reichen verbraten?
Das waren doch, sag mal waren das nicht… die Sozialdemokraten.

Wer hat uns verraten, wer hat so viel Geld?
Wer hat so viel Pinkepinke, wer hat das bestellt?
Wer, wer, wer, wer, wer hat uns verraten?
Wer, wer, wer, wer, wer hat uns verraten?
Wer, wer, wer, wer, wer hat uns verkauft?

Ach ja, ganz frisch: zu meiner angeblichen politischen Radikalität stehe ich voller Überzeugung …

Rosa Luxemburg – Wieder bei Marx

Wir sind wieder bei Marx, unter seinem Banner. Wenn wir heute in unserem Programm erklären: Die unmittelbare Aufgabe des Proletariatsist keine andere als – in wenigen Worten zusammengefaßt – den Sozialismus zur Wahrheit und Tat zu machen und den Kapitalismus mit Stumpf und Stiel auszurotten, so stellen wir uns auf den Boden, auf dem Marx und Engels 1848 standen und von dem sie prinzipiell nie abgewichen waren.

… Wahrer Marxismus kämpft auch gegen jene, die ihn zu verfälschen suchten, er wühlt wie ein Maulwurf in den Grundfesten der kapitalistischen Gesellschaft …

Rosa Luxemburg in ihrer Rede auf dem Gründungsparteitag der KPD (31.12.1918 – 01.01.1919)

Vor 100 Jahren wurde die KPD gegründet und Rosa Luxemburg war eine der Gründerinnen, gemeinsam mit Karl Liebknecht wurde sie am 15. Januar 1919 durch Angehörige der Garde-Kavallerie-Schützendivision ermordet.

Tag der Grenztruppen 2018

Heute vor 72 Jahren nahmen die ersten Grenzer ihren Dienst an den Demarkationlinien der damaligen sowjetischen Besatzungszone auf. Seit den 70er Jahren wurde dieser Tag als Tag der Grenztruppen begangen. Ich möchte auch in diesem Jahr die Grußworte des Vorsitzenden der AG Grenze der GRH für meinen Beitrag nutzen:

Werte Genossinnen und Genossen,
liebe Freunde, die Ihr Eure Biografie und damit Euer aktives Wirken für eine gerechtere und friedliche Zukunft Deutschlands einst und auch bis heute nicht beiseite gelegt habt, seit aus Anlass unseres Grenzertages herzlich gegrüßt! Einst haben wir den Tag der Grenztruppen der DDR festlich begangen, wurden für gute Ergebnisse in der Grenzsicherung/Grenzüberwachung und Aus- und Weiterbildung ausgezeichnet oder befördert. Wir Grenzer empfingen die Glückwünsche von Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft und von Jungen und Alten. Sich daran zu erinnern halte ich nicht für Nostalgie! Ich halte das auch für notwendig mit dem Blick auf die Stimmung vieler Leute heute und im Ergebnis ihrer Erfahrungen hier im Osten im Zusammenhang mit der deutschen Einheit.

Erinnern wir uns: nicht wenige Mitbürger von einst wollten sich plötzlich nicht mehr erinnern oder begannen mit den Wölfen zu heulen. Doch die Zeit bringt zumindest bei den Älteren zunehmend und von den Siegern so nicht kalkulierte neue Einsichten. Die politischen Macher im Lande spüren das und sie versuchen ihrer „Aufarbeitung“ unserer Geschichte eine populärere Richtung zu geben, um ihre schwer in Mitleidenschaft geratene Glaubwürdigkeit wieder ins Lot zu bringen. Dafür opfern sie sogar einen Herrn Hubertus Knabe und Konsorten.

Plötzlich gab es Deindustriealisierung und Ausgrenzung, Enteignung und Ungerechtigkeiten im Osten, die man doch sehen müsse und nicht alles sei damals segenreich gewesen. Von so mancher in Mühen aufgebaute Legende zum Thema DDR-Unrecht und von manchem Eiferer wird man sich nun trennen.

Im dreißigsten Jahr der Wiederkehr der Öffnung der Grenzübergangsstellen der DDR zu Berlin(West) und zur BRD werden wir das erleben.  Die Vorbereitung materieller und propagandistischer Art unter Nutzung des Ereignisses läuft bereits.

Bei unseren Aktivitäten in der IGRA und in unserem Auftreten bei Grenzertreffen und anderen öffentlichen Anlässen sollten wir uns auf die devoteren Spielarten ihrer „Aufarbeitung“ vorbereiten und nicht vergessen: wenn sie zukünftig von der Respektierung der Ost-Biografien reden sollten und zum Beispiel das Totschlagsargument von Tätern und Opfern relatievieren werden, so wird damit die Deligitimierung der DDR und all ihrer Verantwortungsträger nicht aufgegeben, im Gegenteil. Wir stellen eine authentische Betrachtung unserer Geschichte dagegen. Unser IGRA-Archiv liefert die Grundlagen.

In diesem Sinne wünsche ich altersgerechte Gesundheit bei einem  optimistischen Blick voraus, geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch in das Jahr 2019,

Frithjof Banisch
Oberst a.D.