Wahlverweigerer – wieder mal persönliches

Ich habe es geschafft die groß beworbene Europawahl zu ignorieren und die Kommunalwahl hier in Salzwedel gleich mit. Nun bin ich nicht besonders stolz auf diese Tatsache, eher war es eine Aktion der Hilflosigkeit. Allerdings war ich in meiner neuen Rolle als Wahlverweigerer sehr überzeugend – gleich mehrere Personen aus dem engeren Umfeld schlossen sich meiner Haltung an. Letztes Tröpfchen für diese Entscheidung war Wahlwerbung der sich „Alternative für Deutschland“ nennenden neoliberalen und Ausländer hassenden Sch … Partei: gleich mehrere bekannte Gesichter warben dort um meine Stimme.

Der Verachtungsfaktor stieg um einige Level, was ich nicht für möglich gehalten hatte. War nach meinem persönlichem Ranking bisher ein ehemaliger Politoffizier und jetziger FDP-Politiker das Maß aller Dinge, ist es jetzt ein ehemaliger Offizier und Parteifunktionär der SED. Hinzu kommt, dass ich durchaus – zumindest früher – Sympathie für diesen Menschen empfand. Vor ein paar Tagen allerdings ging die Verwunderung nahtlos zu Unverständnis und Verachtung über.

Das Motto meines Blogs, vor 10 Jahren mit Bedacht ausgewählt, findet wieder einmal Anwendung. Zur Erinnerung gern noch einmal das Zitat von Wilhelm Busch:

Die über Nacht sich umgestellt, und sich zu jedem Staat bekennen,
dass sind die Praktiker der Welt, man könnte sie auch Lumpen nennen.

Das Ergebnis der „Europawahl“ entspricht nicht ganz meinen Erwartungen. Das gute Abschneiden der kriegstreibenden Olivgrünen hatte ich so nicht auf dem Schirm, den Absturz des sich sozialdemokratisch nennenden Teils der großen Koaltion schon, auch die ehemaligen Linken, die heute bestenfalls Sozialdemokraten sind, schnitten in etwa so ab, wie ich es erwartete. Der Rest ist Makulatur, völlig unerheblich ob diese oder jene Partei Zuwachs oder Verlust im zehntel-Prozent-Bereich.

Aber die Kriegstreiber um Rebecca Harms und Konsorten? Lehre mich einer die Menschen verstehen …

Bei mir bleibt Resignation und Unverständnis. Bin ich eben ein Wahlverweigerer …

Speed Triple Galerie

Am Wochenende war ein kleines Zeitfenster in dem ich die Bilder eines „Fotoshootings“ durch Heikes Großen „auswerten“ konnte. Der Junge träumt von einer Fotografenkarriere und eines seiner Objekte war Anfang April meine neue Speed Triple. Anfangs belächelte ich die Bilder, inzwischen finde ich die Liebe zum Detail interessant die sich da offenbart und sehe Details der Maschine, die mir so wohl gar nicht aufgefallen wären. Deshalb diese kleine Galerie …

Die Namenssuche ist übrigens abgeschlossen: Rob Roy heißt die Speedy nunmehr, natürlich nur im internen Sprachgebrauch 😉 ,

Geschichtslügen – „Berlinblockade“ und „Luftbrücke“

Dieses Jahr 2019 birgt eine Menge Potenzial an denkwürdigen Jubiläen: neben 70 Jahre Grundgesetz (das es noch immer nicht zur Verfassung gebracht hat, obwohl nach der „Wiedervereinigung“ in ihm selbst eine Verfassungsbildung vorgeschrieben ist) und Gründung der beiden deutschen Staaten auch das Ende von „Berlinblockade“ und „Luftbrücke“. Ja ich setze bewußt beide Begriffe in Anführungszeichen, denn weder wurde (West)Berlin komplett durch die Sowjetunion blockiert und damit die Bewohner der westlichen Besatzungszonen Berlins dem Hungertod durch die „Russen“ ausgesetzt, noch rettete die „Luftbrücke“ dieselben vorm verhungern. Heute noch viel mehr als vor 70 Jahren handelt es sich vor allem um eine groß angelegte Propagandaaktion des Westens.

Neben Sinn und Unsinn der von den Kommunisten unter Stalins Führung verordneten und realisierten Blockade einer Millionenstadt sollte man sich fragen, ob es überhaupt möglich war, eine Stadt mit etwa 2 Millionen Einwohnern aus der Luft zu versorgen. Nebenbei – eine Nation die am schwersten unter den Folgen des Krieges gelitten hat, lässt seinen Stadtkommandanten im Befehl Nummer 1 die Versorgung der Zivilbevölkerung regeln und gefährdet 3 Jahre später das Leben eben dieser Menschen (jedenfalls eines großen Teils der Einwohner) aus politischem Kalkül.

Auf den Nachdenkseiten findet sich heute ein guter Artikel zum Thema. Klaus-Dieter Haas schildert die damaligen Ereignisse aus seiner persönlichen Sicht und verweist auf den politischen Kontext der Ereignisse.

Der spätere US-Außenminister John Foster Dulles sagte im Januar 1949 in kleinem Kreis in Paris: “Zu jeder Zeit hätte man die Situation in Berlin klären können […] Die gegenwärtige Lage ist jedoch für die USA aus propagandistischen Gründen sehr vorteilhaft. Dabei gewinnen wir das Ansehen, die Bevölkerung von Berlin vor dem Hungertod bewahrt zu haben, die Russen aber erhalten die ganze Schuld wegen ihrer Sperrmaßnahmen.“ (Zitiert in George S. Wheeler: „Die amerikanische Politik in Deutschland (1945-1950)“, Berlin (Ost) 1958, S. 223) Sehr deutlich wird auch L. L. Matthias: „Einen sehr willkommenen Anlaß, die öffentliche Meinung der Welt gegen die Russen zu mobilisieren, bot die Berliner Blockade […] Es war ganz offenbar, daß Truman, Acheson und General Clay die Blockade absichtlich verlängert hatten, um einen Zwischenfall zu einem welthistorischen Ereignis aufzublasen und die Last der Verantwortung, die auf den Schultern der Russen lag, zu vervielfachen.” (L. L. Matthias: Die Kehrseite der USA, Reinbek bei Hamburg 1971, S. 146ff.) Die Reihe solcher Propagandaleistungen der USA oder Briten, hilfreich begleitet von deutschen Medien, läßt sich mühelos ergänzen und bis in die Gegenwart verfolgen.

Aus dem Artikel