DDR – Zitat des Tages

Die DDR ist als Beispiel für angeblich bösartiges, ungesetzliches oder unmoralisches staatliches Handeln im heutigen deutschen Mainstream nach wie vor höchst beliebt. Das gilt nicht nur für das Grenzregime, sondern natürlich auch für viele andere Lebensbereiche. So wurde Anfang dieser Woche bei einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Überwachungsstaat kaum über neue deutsche Polizeiaufgabengesetze, die Schnüffelei der NSA oder die Software von Palantir Technologies diskutiert, sondern vielmehr – über die Stasi.

Die anhaltende Dämonisierung der bald 30 Jahre zurückliegenden DDR-Geschichte dient vermutlich dazu, positiven Sichtweisen auf diese Epoche deutscher Geschichte vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Probleme in Deutschland entgegenzuwirken und die gegenwärtigen Verhältnisse zu legitimieren.

Gefunden bei RT deutsch („Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes wird künstlich hochgerechnet„)

Tag der Grenztruppen 2018

Heute vor 72 Jahren nahmen die ersten Grenzer ihren Dienst an den Demarkationlinien der damaligen sowjetischen Besatzungszone auf. Seit den 70er Jahren wurde dieser Tag als Tag der Grenztruppen begangen. Ich möchte auch in diesem Jahr die Grußworte des Vorsitzenden der AG Grenze der GRH für meinen Beitrag nutzen:

Werte Genossinnen und Genossen,
liebe Freunde, die Ihr Eure Biografie und damit Euer aktives Wirken für eine gerechtere und friedliche Zukunft Deutschlands einst und auch bis heute nicht beiseite gelegt habt, seit aus Anlass unseres Grenzertages herzlich gegrüßt! Einst haben wir den Tag der Grenztruppen der DDR festlich begangen, wurden für gute Ergebnisse in der Grenzsicherung/Grenzüberwachung und Aus- und Weiterbildung ausgezeichnet oder befördert. Wir Grenzer empfingen die Glückwünsche von Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft und von Jungen und Alten. Sich daran zu erinnern halte ich nicht für Nostalgie! Ich halte das auch für notwendig mit dem Blick auf die Stimmung vieler Leute heute und im Ergebnis ihrer Erfahrungen hier im Osten im Zusammenhang mit der deutschen Einheit.

Erinnern wir uns: nicht wenige Mitbürger von einst wollten sich plötzlich nicht mehr erinnern oder begannen mit den Wölfen zu heulen. Doch die Zeit bringt zumindest bei den Älteren zunehmend und von den Siegern so nicht kalkulierte neue Einsichten. Die politischen Macher im Lande spüren das und sie versuchen ihrer „Aufarbeitung“ unserer Geschichte eine populärere Richtung zu geben, um ihre schwer in Mitleidenschaft geratene Glaubwürdigkeit wieder ins Lot zu bringen. Dafür opfern sie sogar einen Herrn Hubertus Knabe und Konsorten.

Plötzlich gab es Deindustriealisierung und Ausgrenzung, Enteignung und Ungerechtigkeiten im Osten, die man doch sehen müsse und nicht alles sei damals segenreich gewesen. Von so mancher in Mühen aufgebaute Legende zum Thema DDR-Unrecht und von manchem Eiferer wird man sich nun trennen.

Im dreißigsten Jahr der Wiederkehr der Öffnung der Grenzübergangsstellen der DDR zu Berlin(West) und zur BRD werden wir das erleben.  Die Vorbereitung materieller und propagandistischer Art unter Nutzung des Ereignisses läuft bereits.

Bei unseren Aktivitäten in der IGRA und in unserem Auftreten bei Grenzertreffen und anderen öffentlichen Anlässen sollten wir uns auf die devoteren Spielarten ihrer „Aufarbeitung“ vorbereiten und nicht vergessen: wenn sie zukünftig von der Respektierung der Ost-Biografien reden sollten und zum Beispiel das Totschlagsargument von Tätern und Opfern relatievieren werden, so wird damit die Deligitimierung der DDR und all ihrer Verantwortungsträger nicht aufgegeben, im Gegenteil. Wir stellen eine authentische Betrachtung unserer Geschichte dagegen. Unser IGRA-Archiv liefert die Grundlagen.

In diesem Sinne wünsche ich altersgerechte Gesundheit bei einem  optimistischen Blick voraus, geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch in das Jahr 2019,

Frithjof Banisch
Oberst a.D.

Buchvorstellung – Chronik des Grenzkommandos Nord

GKNChronik Ein wenig spät in diesem Jahr  – ein „Grenzerthema“. Ich habe den 01. Dezember, den Tag der Grenztruppen natürlich nicht vergessen. Wurde auch erinnert durch eine freundliche Mail eines Genossen, mit dem mich ein paar Erinnerungen verbinden. Statt Glückwünschen, guten Wünschen wie in den vergangenen Jahren nutze ich den Anlass für eine Buchvorstellung. Bereits im Oktober erschien im Engelsdorfer Verlag „Das Grenzkommando Nord. Standort Stendal. Die Chronik“ von Werner Neumann. Neumann war Offizier der Grenztruppen und veröffentlichte bereits Chroniken des Grenzausbildungsregimentes (GAR) 7 und des Grenzregimentes (GR) 20, beide stationiert in Halberstadt.

Das Buch „Das Grenzkommando Nord“ gehört mit einem Umfang von fast 1.000 Seiten nicht zu den Leichtgewichten. Im wesentlichen wird die Geschichte des 1971 gebildeten Grenzkommandos Nord (GKN) und der unterstellten Einheiten chronologisch aufgeführt, soweit wie möglich bis zu den im Bereich zwischen Ostsee und Harz dislozierten Grenzkompanien. Dabei wurden 560 Bilder und 31 Skizzen verwendet um die Geschichte zu dokumentieren. Die angekündigten „Erlebnisberichte“ von Grenzern und Angehörigen von BGS und GZD allerdings entpuppen sich als Kopien von Forumsbeiträgen ehemaliger Angehörigen der Grenztuppen aus dem Internet. Nach kurzem Überfliegen stellt sich mir die Frage, ob diese Art der Verwendung von – naturgemäß – eher leger geschriebenen Beiträgen aus einem Internetforum der richtige Weg ist, eine Chronik zu bereichern. Dabei geht es mir tatsächlich nicht um den Inhalt der Erlebnisberichte, lediglich um die Form …

Ein solch umfassendes Vorhaben wie die Chronik des GKN blieb im Detail auch nicht fehlerfrei, zumal die Geschichte der Grenztruppen und damit auch des Grenzkommandos Nord geprägt ist von zahlreichen Veränderungen in Struktur und Dislokation. Trotzdem sind einige Fehler und Ungenauigkeiten wohl vermeidbar gewesen. Hierbei beziehe ich mich bewusst lediglich auf 2 Regimenter – GR 24 und GR 8 – von denen ich selbst oder eine vertrauenswürdige Quelle tiefer gehende Kenntnisse haben.

Fazit

Das Buch „Chronik des Grenzkommandos Nord“ ist keine Chronik im herkömmlichen Sinne. Der Autor verwendete in erster Linie Quellen aus dem Internet und die Regimentschroniken der entsprechenden GR aus den 80er Jahren. Beide Wege der Information genügen einem wissenschaftlichen Anspruch nicht. Das genau aber war nicht die Absicht des Autors. Neumann ist sich der vorhandenen Ungenauigkeiten und Fehler durchaus bewusst und macht im Vorwort auch darauf aufmerksam. Die Fülle der gesammelten und verarbeitete Informationen ist trotzdem verblüffend und so ist die „Chronik“ eine umfangreiche und detaillierte Datensammlung zum Grenzkommando Nord – nicht mehr und nicht weniger. Ich für meinen Teil danke Werner Neumann für die geleistete Arbeit und werde die Chronik wohl des öfteren als „Lesebuch“ verwenden.

Bemerkung

Als Hobbyhistoriker sind mir die o. a. Probleme nicht unbekannt. Überraschenderweise ist es gerade in der Militärgeschichte ausgesprochen schwierig, verlässliche Angaben zu Strukturen uns Dislokationen zu finden. Das geht hin bis zu Namens- und Ortsverwechslungen und führt oft zu Irritationen. Ich erinnere nur an die Teilnahme des Generals von Bredow an der Schlacht von Mollwitz 1741 im 1. Schlesischen Krieg …