Gundermann – Lieder einer Zeit

Heute vor 20 Jahren starb Gerhard Gundermann, 42 wurde er. Ich entdeckte ihn erst nach dem Ende unseres Heimatlandes. Vieles was er in den 90ern besang sprach – und spricht – mir aus der Seele. In einem seiner letzten Lieder (Nach Norden) fragt Gundermann:

Und ich frag mich, was ich bin, was ich war
in der Suppe das Salz oder das Haar
ich schwimme mittendrin in meinem alten Hemd
gehöre noch dazu und bin schon ziemlich fremd

In Erinnerung an „Gundi“ eines seiner besten Lieder: Hier bin geboren.

 

 

hier bin ich geborn
wo die Kühe mager sind wie das Glück
hier hab ich meine Liebe verlorn
und hier krieg ich sie wieder zurück

hier liegt mein Vater unter Erde
meine Mutter liegt aufm Balkon
hier frisst mir eine Kinderherde
die letzten Haare vom Ballon
hier sind wir alle Brüder und Schwestern
hier sind die Nullen ganz unter sich
hier isses heute nicht besser als gestern
und ein Morgen gibt es hier nicht

hier hab ich meine letzten Freunde beleidigt
harte herzen zu butter getanzt
hier hab ich junge Pioniere vereidigt
und Weihnachtsbäume gepflanzt
hier habe ich meine Leichen im Keller
wir spielen ‚Mensch ärger dich nicht‘
hier krieg ich immer nur einen halbvollen Teller
an einem runden Tisch

hier gab es billigen Fusel auf Marken
und genauso sehn wir heute auch aus
hier lässt man Fremde nicht gerne parken
es sei denn, sie geben einen aus
hier drehe ich meine Kreise
wie ein fest verankertes Schiff
hier führt mich meine Reise
nicht weit aber tief

hier bin ich geborn
so wie ins Wasser fiel der Stein
hier hat mich mein Gott verloren
und hier holt er mich wieder ein

Das Ende der liberalen Weltordnung

Die „liberale Weltordnung“ ist perdu, futsch, Geschichte. Das behaupte nicht ich, sondern Richard Haass, Präsident des „Council on foreign Relations“. Einer der führenden neoliberalen Meinungsmacher in der Welt also. Natürlich bedauert Mr. Haas diesen Umstand und findet auch Verursacher: neben Russland, China und der EU(? Was haben die gegen die ach so menschliche, „liberale“ Weltordnung us-amerikanischer Prägung eigentlich getan?) wird v.a. Donald Trump verantwortlich gemacht.

Es geht nicht darum, die USA für Kritik zu kritisieren. Die anderen Großmächte von heute, einschließlich der EU, Russlands, Chinas, Indiens und Japans, könnten dafür kritisiert werden, was sie tun, nicht tun oder beides. Aber die USA sind nicht nur ein anderes Land. Es war der Hauptarchitekt der liberalen Weltordnung und ihr Hauptunterstützer. Es war auch ein Hauptbegünstigter.

Amerikas Entscheidung, die Rolle, die sie seit mehr als sieben Jahrzehnten gespielt hat, aufzugeben, ist somit ein Wendepunkt. Die liberale Weltordnung kann nicht alleine überleben, weil anderen entweder das Interesse fehlt oder die Mittel, um sie aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis wird eine Welt sein, die für Amerikaner und andere gleichermaßen weniger frei, weniger wohlhabend und weniger friedlich ist.

Starke Sätze die hier geschrieben werden. Abgesehen davon, dass sie verlogen und demagogisch sind. Für wen wurde die Welt durch die „liberale Weldordnung“ denn frei, wohlhabend und friedlich? Die Menschen z.B. in Syrien, Lybien, Irak oder Afrika werden sicherlich eine völlig andere Wertung treffen.

Aber sei es drum, interessanter scheint mir, dass Mister Haass den Präsidenten der USA für den „Tod“ dieser zutiefst us-amerikanischen „Weltordnung“ verantwortlich macht. Für das Sterben des amerikanischen Imperiums ist also Donald Trump verantwortlich. Soweit decken sich meine Gedanken mit dem Chef eines der größten neoliberalen Think tanks sogar, wenn mMn Trump auch lediglich der Bestatter derselben ist, das Grab wurde durch andere ausgehoben …

Betrachten wir die außenpoltischen Aktivitäten des US-Präsidenten in den vergangenen 1,5 Jahren fällt auf, mit welch brutalen Schlägen „traditionelle Verbündete“, also Vasallen, bedacht werden:

  • Kündigung des „Freihandelsabkommens“ TPP. Asiatische „Verbündete“ und Australien betroffen
  • Trump stellt die NATO in Frage (als nachteilig für die USA). Horrende Forderungen an die EU. Ergebnis: man geht an den Aufbau einer „europäischen Verteidigungsarmee“, außerhalb der NATO. Wobei ich hier meine Zweifel habe, ob dieses Projekt realisierbar ist. Am Beispiel der Bundeswehr kann man erkennen, wie stark diese Armee kastriert wurde. Eine Folge der auf Interventionismus setzenden deutschen Aussenpolitik.
  • Kündigung von NAFTA, Kanada und Mexiko kriegen ihr Fett weg
  • Ausstieg aus dem Klimaabkommen. Stinkefinger an die ganze Welt
  • Kündigung des Iran-Deals. Ein Hieb v.a. gegen die EU
  • Europa soll auf Northstream 2 verzichten und stattdessen lieber amerikanisches Fracking-Gas kaufen. Kampfansage an die EU u.v.a. Deutschland
  • die Verlegung der us-amerikanischen Botschaft in Israel nach Jerusalem empört die gesamte arabische Welt (bis auf die Saudis und deren Schoßhündchen).

Das ist aus dem Handgelenk das was Trump während seiner Amtszeit gemacht hat …

Aussen- und wirtschaftspolitisch wird durch Trump ganze Arbeit geleistet und das Ziel scheint die Isolation der USA zu sein, Rückzug auf die „innere Linie“ um den kompletten Untergang zu verhindern …

Lee Camp – Zitat des Tages

Bleibt nur noch die Frage: Wer wird das nächste Opfer auf der Liste der mit lächerlichen Rechtfertigung eingefädelten illegalen US-Invasionen sein? Nun, letzte Woche hat der Iran es endlich getan: Er ist vom Dollar auf den Euro umgestiegen. Und ganz sicher werden der militärisch-industrielle Komplex, die großen Medienkonzerne und Israel alle zusammen behaupten, dass der Iran über sein Atomwaffenprogramm gelogen habe. Wie stehen die Chancen, dass diese Meldung nur Tage nach der Meldung kommen wird, dass der Iran auf den Dollar verzichtet? Wie! Stehen! Die! Chancen?

Lee Camp ist Amerikaner, arbeitet als Autor und Stand-up-Comedian. Er moderiert bei RT-America die Comedyshow „Redactet tonight“.

In der sehr lesenswerten Kolumne „Ich weiß, welches Land die USA als nächstes angreifen“ zeigt Camp am 05. Mai auf, worin das größte Verbrechen der „Diktatoren“ Sadam Hussein, Gadaffi, Assad und eben auch Ländern wie Pakistan und Iran bestand bzw. besteht: in der Abschaffung (oder dem Versuch der Abschaffung) des Dollars als Leitwährung.

So einfach kann Politik erklärt werden …