Kurt Gossweiler gestorben

 

Meine Erlebnisse auf sowjetischer Seite haben meine kommunistische Einstellung und die Überzeugung gefestigt, dass die Sowjetunion auf dem richtigen, von Lenin gewiesenen Wege voranschreitet. Und sie haben mich befähigt, sehr früh zu erkennen, dass unter der Führung Chruschtschows die KPdSU unter dem Vorwand des Bruchs mit dem so genannten „Personenkult“ in Wahrheit den Bruch mit dem Marxismus-Leninismus vollzog und den Weg der Restauration des Kapitalismus beschritt. Allerdings war ich lange Zeit – bis 1988 – davon überzeugt, dass das nie gelingen werde.

Wie es dennoch dazu kommen konnte – diese Frage zu beantworten, ist vordringlich, weil Voraussetzung für einen neuen, endgültig erfolgreichen Sieg über den Imperialismus, dessen fortdauernde Herrschaft das Überleben der Menschheit in Frage stellt.

Deshalb habe ich nach der Katastrophe von 1989/90 meinem alten Forschungsgebiet „Faschismus“ den Rücken gekehrt, um, solange mir das meine Kräfte erlauben, meinen Teil zur Beantwortung dieser vordringlichen Frage beizutragen.

Der Historiker Kurt Gossweiler verstarb nach einer Meldung der „Jungen Welt“ am heutigen Mittwoch in Berlin. Der aufrechte Kommunist wurde 99 Jahre alt.

Mir verhalfen seine Bücher, Texte und veröffentlichten Briefe zu einer neuen Sicht auf viele historische Ereignisse und Personen. Seine Webseite mit zahlreichen von ihm verfasster Dokumente ist (noch) online. Ein lange gehegter Vorsatz drängt nun zur Ausführung – die Archivierung der Dokumente von seiner Webseite …

Tag der Befreiung – 8.Mai 2017

Heute vor 72 Jahren kapitulierte die Wehrmacht in Berlin-Karlshorst. In der DDR wurde dieser Tag als „Tag der Befreiung“ begangen. Befreiung vom Faschismus, vor allem durch die Rote Armee, die Sowjetunion. Wie hoch der Blutzoll der Armee, der Völker der Sowjetunion war, der bis zu diesem Tag entrichtet wurde, ist weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Laut einer Umfrage von ICM Research 2015, nannten mehr als 50% der Befragten die USA als Befreier. Lediglich 17% nannten die Sowjetunion. Das 27 Millionen Sowjetbürger in diesem Krieg ums Leben kamen – davon „nur“ 11,4 Millionen Soldaten, aber mehr als 15 Millionen Zivilisten – ist scheinbar in Vergessenheit geraten. Welche Verbrechen die SS, aber auch Wehrmacht und Wirtschaft begingen – nicht nur in der Sowjetunion, auch in Polen, Tschechien, Jugoslawien, Griechenland – ist den Menschen hier nicht bewusst oder wird verdrängt. Stattdessen steht die Erinnerung an deutsche Opfer, z.B. der Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors oder der deutschen Kriegsgefangenen, im Vordergrund.

Vielleicht habe ich es nur übersehen, aber das mediale Echo und die Stellungnahmen von Politikern sind (auch) am heutigen Tag kaum zu hören oder zu lesen. Man könnte meinen, es handele sich nicht um einen Feiertag, nicht um den „Tag der Befreiung“.

Einen interessanten Beitrag fand ich auf rubikon.news. Andreas von Westphalen liefert einen sehr informativen Artikel zum Thema, mit Fakten, Zitaten und der Erläuterung von Zusammenhängen. Aus diesem Artikel stammt das folgende Gedicht eines deutschen Soldaten. Willy-Peter Reese, der als „vermisst“ registriert, diesen mörderischen Krieg nicht überlebend, irgendwo als namenloses Opfer verscharrt. Er beschreibt sehr deutlich den Anteil wohl der meisten Deutschen an den Verbrechen des Faschismus, nicht nur in der Sowjetunion …

Wir sind der Krieg. Weil wir Soldaten sind.
Ich habe alle Städte verbrannt
Alle Frauen gewürgt
Alle Kinder geschlagen
Allen Raub genommen vom Land.
Ich habe Millionen Feinde erschossen,
alle Felder vernichtet, die Dome zerstört,
die Seelen der Menschen verheert,
aller Mütter Blut und Tränen vergossen.

Ich habe es getan. – Ich tat
Nichts. Aber ich war Soldat.

Ich halte es für angebracht Dank zu sagen. Das Beitragsbild stammt aus dem Jahr 2015 und ist der „Jungen Welt“ entnommen.

Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg

Er passt nicht so recht in die Gruppe der von mir bisher vorgestellten preußischen Generale, die bisher immer mit dem Kürassier-Regiment 7 verbunden waren. Trotzdem habe ich mich entschlossen, Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg hier vorzustellen. Das hat v.a. 2 Gründe:

  1. Die Verbundenheit der Familie Schulenburg mit der Altmark und der Stadt Salzwedel
  2. Während der ursprünglich sehr oberflächlichen Beschäftigung mit genau diesem Schulenburg, begann mich die Person zu interessieren und ich entdeckte eine vielschichtige und bemerkenswerte Lebensgeschichte.

Die Quellenlage ist aussergewöhnlich gut. Neben dem Priesdorff findet der Name mehrfach Erwähnung in den „Kriegen Friedrichs des Großen“. In den zwei Bänden „Das Geschlecht der von der Schulenburg“ von Johann Friedrich Danneil findet er natürlich auch Erwähnung. Ich werde mich hier natürlich auf die militärische Seite seines Lebens konzentrieren.

  • Adolf (in älteren Quellen Adolph) Friedrich Graf von der Schulenburg wurde am 08.12.1685 in Wolfenbüttel als Sohn des „fürstlich braunschweigisch lüneburgisch“ Geheimen Rats Friedrich Achaz geboren.
  • 1701 Ritterakademie zu Lüneburg und Studien in Utrecht
  • 1705/13 Teilnahme am Feldzug: Schlachten bei Ramilies, Oudenarde und Malpaquet
  • zunächst als Freiwilliger, später in hannoverschen Diensten
  • 1706 Rittmeister
  • 1711 Major
  • 02.03.1713 in preußische Dienste als Oberstleutnant beim Dragoner-Regiment von Hackeborn
  • 27.06.1713 Regiment zu Pferde von Blanckensee (KR 4)
  • 05.06.1714 Kommandeur dieses Regiments
  • 1715 Teilnahme am Feldzug in Pommern, Belagerung von Stralsund, Landung auf Rügen
  • 29.8.1718 Oberst
  • 26.10.1719 Kommandeur de Grenadierregiments zu Pferde Freiherr von Derfflinger
  • 01.02.1724 Chef des Regiments
  • 04.07.1728 Generalmajor
  • 07.12.1728 in den Reichsgrafenstand erhoben
  • 1734 Teilnahme am Feldzug am Rhein als Begleiter des Kronprinzen
  • 03.09.1739 Generallieutenant mit Patent vom 30.07.
  • 26.06.1740 Ritter des „Hohen Ordens vom Schwarzen Adler“
  • 10.04.1741 gefallen bei Mollwitz

Soweit die nüchternen biografischen Daten des Grafen. Einiges mehr aber ist aus den o.a. Quellen zum Leben des Generals zu erfahren, dass ich für bemerkenswert halte.

Adolph Friedrich von der Schulenburg stand beim Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. offenbar in besonderer Gunst. Mehrfach wurde er mit diplomatischen Missionen betraut, so war er einige Male mit besonderen Aufträgen in Hannover und London. 1732 sandte ihn der König nach Wien, um die Verlobung des Kronprinzen „anzuzeigen“. 1734 dann begleitete er den Kronprinzen Friedrich auf dem Rheinfeldzug der Österreicher. Hier verstand er es wohl, sich auch den künftigen König zum Freund zu machen und trug wohl auch dazu bei, dass sich das Verhältnis zwischen dem Soldatenkönig und seinem Sohn besserte. Schulenburgs Verhältnis zum Kronprinzen war so gut, dass man in höfischen Kreisen annahm, dass er nach dem Tod Friedrich Wilhelm I. Der „Allmächtige“ am Hofe sein würde, d.h. der unangefochtene Favorit des neuen Herrschers. „Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg“ weiterlesen