Historiographische Fundstücke – Quellenlage Kürassiere

Erst vor wenigen Tagen äußerte ich mich zur Quellenlage bezüglich meines Projektes zu den Kürassieren in Salzwedel. Schon seit längerem war ich auf der Suche nach dem fast zwanzigbändigen Werk „Die Kriege Friedrichs des Großen“, herausgegeben vom Großen Generalstab zwischen 1890 und 1912. Im Internet waren nur Bruchstücke auffindbar, Nachdrucke sehr fragmentiert, Originale sehr t€uer! Und allem gemeinsam: lediglich Teile, nicht die gesamte Reihe war aufzutreiben!

Durch Zufall fand ich schließlich die Webseite des Historikers, Germanisten und Politologen Markus Maria Hof. In einer Rubrik, eben Historiographische Fundstücke genannt, veröffentlichte er Linksammlungen zu verschiedenen Epochen der deutschen und preussischen Geschichte. Und hier fand ich dann endlich auch das von mir favorisierte Werk.

Titelblatt von TeilI, Band 1
Titelblatt von Teil I, Band 1

Neben den Kriegen Friedrich des II. gibt es hier viel mehr zu entdecken, Material in Hülle und Fülle. Meine Internetverbindung wurde in den letzten Tagen noch intensiver als gewöhnlich genutzt, das Datenvolumen meiner Nextcloud zum Thema Geschichte schwoll in wenigen Stunden um ca. ein Drittel an. Und ich bin längst nicht fertig.

Eine wahre Goldgrube für den Hobbyforscher und bisher stiess ich noch nicht auf einen toten Link, alle Downloads funktionierten fehlerfrei.

Danke Herr Hof für ihre Historiographischen Fundstücke.

Die Kürassiere in Salzwedel – Quellenlage

Schon seit einiger Zeit schiebe ich die Fortsetzung des Projektes zu den „Salzwedeler“ Kürassieren vor mir her. Die Beschäftigung mit den mir zur Verfügung stehenden Quellen sorgt immer wieder für Verwirrung. Widersprüchliche Angaben zu Orten, Zeiten und Zusammenhängen sind Grund für diese Verwirrung.

Selbst beim Priesdorff stiess ich nun auf einen solchen Widerspruch. Erst vor wenigen Tagen habe ich hier die biographischen Daten des Generals Friedrich Sigismund von Bredow veröffentlicht und stützte mich dabei eben auf das Standardwerk „Soldatisches Führertum“ von Priesdorff. Eine der Bemerkungen bezog sich darauf, dass sich unser General in der Schlacht von Mollwitz besonders ausgezeichnet hätte. So jedenfalls steht es im Priesdorff.

Bei den derzeitig laufenden Recherchen für Teil III der Geschichte des Kürassier-Regiments 7 fiel mir nun auf, dass unsere Kürassiere gar nicht an der genannten Schlacht teilnahmen. Das Regiment war zwar im Frühjahr 1741 nach Schlesien verlegt worden, gehörte aber nicht zu den Truppen, die Friedrich II. bei Mollwitz einsetzte. In der mir zur Verfügung stehenden „Ordre de Bataille“ der preußischen Armee taucht der Name Bredow allerdings auf, aber es handelt sich beim genannten Truppenteil um das Infanterieregiment von Bredow (Nr. 7). Chef des Regiments war Generalmajor Karl Friedrich von Bredow, der Bruder unseres Kavalleristen.

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Es scheint das auch Priesdorff ab und an der undurchsichtigen „Namenspolitik“ bei der Bezeichnung preußischer Truppenkörper im 18. Jahrhundert verzweifelte und ihm damit Fehler unterliefen …

Das soll hier nur als Beispiel dienen für die vielen, immer wieder auftretenden Widersprüche die sich beim „Studium“ der verschiedenen Quellen auftun. Mein Wunsch möglichst genau in meinen Projekten zu sein, lediglich gesicherte Informationen „zu Papier zu bringen“ führt auch wegen solch festgestellten Ungenauigkeiten in den zur Verfügung stehenden Quellen immer wieder zu Verzögerungen und Überarbeitungen bereits fertig gestellter Dokumente.

Die nächste Etappe in der Regimentsgeschichte umfasst den gesamten Zeitraum der Regierungszeit Friedrichs II. Die 3 großen Kriege um den „Erwerb“ Schlesiens, die dem König am Ende den Beinahmen „der Große“ einbrachten, verlangten viel von seinem Volk und seinen Soldaten. Unsere Kürassiere waren an allen Kriegen aktiv beteiligt, kämpften in zahlreichen Schlachten, siegten und verloren, gerieten in Gefangenschaft, starben, hungerten, schrieben Geschichte. So scheint ein wenig Genauigkeit angebracht …

Friedrich Sigismund von Bredow

Preußischer General der Kavallerie, 1733 – 1755 Chef des Kürassier-Regiments 7

vbredow

  • geb. 05.05.1683 in Falkenberg bei Beeskow
  • Vater Siegmund Gottfried, Herr auf Neu-Zauche und Falkenberg, Mutter Barbara Christine, geb. von Sannwitz a.d.H. Babo
  • 1696 Page beim Kurfürsten Friedrich III.
  • 1701 Kammerjunker
  • 11.07.1705 Kapitän beim Dragonerregiment Derfflinger
  • 20.01.1714 Major
  • 23.09.1716 Obristlieutenant
  • 23.09.1721 Oberst
  • 14.09.1727 Kommandeur des Dragonerregiments von Cosel (Nr. 6)
  • 16.08.1731 Ritter des Johanniterordens
  • 28.07.1733 Chef des Regiments von Papstein zu Pferde (Kür.-Reg. 7)
  • 23.05.1737 Generalmajor
  • 1740/42 Feldzug, Schlacht bei Chotusitz, besonders ausgezeichnet
  • 17.05.1742 Generallieutenant mit Patent vom 22.05.1742 und Ritter des „Hohen Ordens vom Schwarzen Adler“, beides auf dem Schlachtfeld von Chotusitz
  • 1744/45 Feldzug, Belagerung von Prag, Schlachten bei Hohenfriedberg und Kesselsdorf. Wiederum ausgezeichnet.
  • 24.07.1747 General von der Kavallerie mit Patent vom 25.07.1747
  • 03.07.1755 dimittiert mit 2.000 Talern Pension
  • gest. 17.06.1759 in Frankfurt a.d. Oder

Obwohl Friedrich II. mit seiner Kavallerie im ersten schlesischen Krieg alles andere als zufrieden war, hielt er offensichtlich viel von Bredow. Der Rang eines Generals von der Kavallerie machte denselben formell zum Chef aller Kavallerieregimenter der preußischen Armee. Auch hier finden wir ein Schriftstück, in dem der König seine besondere Anerkennung ausdrückt:

„Mein lieber Generallieutenant von Bredow,

Ich habe Euer Schreiben vom 29. voriges nebst der Maßliste Eures unterhabenden Regiments erhalten und aus solcher so viel ersehen, daß das Regiment sehr schön sein muß, dahero Ich Euch deshalb vor alle gehabte Attention obligiret bin.

Hiernebst aber muß Ich Euch noch eröffnen, wie Mir das Regiment am besten mit gefallen wird, wann Ich sehen werde, daß die Leuthe von solchem lauter Bärthe haben. Dahero selbige soviel es nur möglich ist, die Bärthe sämtlich steh lassen müssen.

Sonst will ich, daß Ihr den Major von Cosel Eures Regiments sogleich hierher nach Potsdam schicken sollet, um daß so wegen der Cavallerie eingeführet worden ist, hier bei dem exerciren der Garde du Corps zu sehen.

Ich bin Euer wohl affectionierter König Friedrich.

Potsdam, 3. May 1743“

Das Schreiben macht deutlich, wie sehr die „Schönheit“ eines militärischen Truppenteils in den Augen Friedrichs II. eine Rolle spielte. Ausserdem wird die Art und Weise der Ausbildung jener Zeit erkennbar: 1743 war nach den Erfahrungen des Ersten Schlesischen Krieges eine neue Vorschrift für die Kavallerie erlassen worden. Friedrich befiehlt einen Offizier – sicherlich nicht nur diesen Regiments – nach Potsdam, um der Ausbildung beim Gardes du Corps beizuwohnen und somit die neuen Vorschriften schneller in den einzelnen Regimentern umsetzen zu können.

Quelle: Kurt von Priesdorff, „Soldatisches Führertum“, Band I, S. 184, Nr. 253
Bild: Potsdam, Villa des Prinzen Eitel Friedrich