Neurechts und altlinks

Seitdem sich in Deutschland erste, zarte Ansätze einer Front gegen die aggressive Politik von USA, NATO und EU zeigen, wabert der Begriff „neurechts“ durch die Medien und die Reden „demokratischer“ Politiker. Mit Hilfe dieser Vokabel ist es am Ende – wohl besser bisher – gelungen, das Zustandekommen einer breiten, tatsächlichen Friedensbewegung zu verhindern. Was soll das überhaupt sein dieses neurechts? Interessanterweise wird das nicht erläutert. Personen die dieser Weltanschauung angeblich anhängen dagegen schon. Mit diesem Etikett werden u.a. der Journalist Ken Jebsen und der Initiator der Berliner Montagsdemos (denen des Jahres 2014) Lars Mährholz versehen.

Ich selbst wurde schon als solcher bezeichnet, sogar als Nazi beschimpft – ausgerechnet von einer Person, die aus ihrer Sympathie für die „Maidan-Revolution“ keinen Hehl macht und das berüchtigte Bataillon „Asow“ in der Ukraine nur als „Freiwilligenbataillon“ bezeichnet. Spätestens hier wurde mir klar, dass es sich bei diesem Wort einfach nur um eine Diffamierungsvokabel aus dem Repertoire der Propagandamedien handelt. In Deutschland ist die Methode recht einfach, denn rechts = Nazi und neurechts = Neonazi ist Konsens im Sprachgebrauch. Denn die uns regierenden „großen Volksparteien“ repräsentieren schließlich die „Mitte“, sind also gemäßigt …

Um es klar zu stellen: die o.a. Beleidigung las ich im Internet. In der Anonymität des Internets, in einem Forum in dem sich Putinversteher und Nato-Trolle erbitterte, verbale Schlachten liefern. Sie traf mich nicht, da jeder Grundlage entbehrend.

Das Gefährliche an diesen Diffamierungen ist jedoch ihre Effizienz. Es ist nicht nötig sich differenziert mit den beschuldigten Personen, ihren Worten und Handlungen auseinanderzusetzen – es reicht diese einfache Stigmatisierung um das Ziel der Verleumdung ins Abseits zu stellen.

Hier liegt auch das Ziel dieser Kampagnen. Es soll verhindert werden, dass sich die Kritiker der Politik des Krieges und der Aggression zusammenfinden. Altlinke westlicher Prägung zucken beim Wort rechts regelrecht zusammen und meiden den Beschuldigten wie der Teufel das Weihwasser. Ziel erreicht – eine Zusammenarbeit zwischen den aufrechten „Linken“ und den als solchen diffamierten „Neurechten“ wird es nicht geben. Um aber eine alternative Kraft gegen die herrschende Politik zu formieren, ist es notwendig über den Tellerrand zu schauen und Menschen und Bewegungen nach ihren Worten und Taten zu beurteilen, nicht nach dem Stigma, dass ihnen durch die Medien dieses Landes verpasst wurde. Ein Herr Elsässer und sein Magazin „Compact“ schließe ich nach Prüfung aus diesem Konsens aus, aber eben erst nachdem ich mich mit seinen Positionen befasst habe kam ich zu diesem Schluss.

Vor einer Friedensbewegung wie in den 80er-Jahren die 100.000e Menschen auf die Straße brachte, haben die Herrschenden in Washington, Brüssel und Berlin Angst. Man hat erkannt, dass sich Widerstand formiert, trotz oder gerade wegen des unsäglichen Trommelfeuers plumper Propaganda, mit dem man die Menschen in Deutschland und den anderen Ländern der „freien westlichen Welt“ täglich eindeckt.

Gert Ewen Ungar gehört zu den Bloggern, die mir einiges an Erkenntnissen vermittelt haben. In einem Beitrag vom 22.06.15 setzt sich Gert mit dem oben angeführten Phänomen auseinander. Warum gelingt bisher die Spaltung der Friedenskräfte in Deutschland so grandios? Seine Schlussfolgerungen teile ich nicht allumfassend, aber interessant, bedenkenswert ist seine Position allemal.

Solche Blüten wie „ethnonationalistisch“ für offen faschistische Organisationen in der Ukraine, die nicht den kleinsten Versuch unternehmen, ihre menschenverachtende Ideologie zu verstecken, sind nicht der Dummheit einzelner Akteure dieser Farce zuzuschreiben. Sie sind vielmehr Bestandteil eines Feldzuges der Verdummung und Verblendung.

Dem einstigen bundesrepublikanischen Verteidigungsminister Franz Joseph Strauß wird der Satz (in den 80ern geäußert, weitab von seinen Positionen als einer der Scharfmacher der Bonner Republik) zugeschrieben: „Ich kenne den Krieg, deshalb bin ich für den Frieden!“. Wir kennen den Krieg nicht, aber sollten alles dafür tun, diese Erfahrung nicht machen zu müssen. Auch gemeinsam mit den Straußen der Gegenwart …

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