Geschichtslügen – „Berlinblockade“ und „Luftbrücke“

Dieses Jahr 2019 birgt eine Menge Potenzial an denkwürdigen Jubiläen: neben 70 Jahre Grundgesetz (das es noch immer nicht zur Verfassung gebracht hat, obwohl nach der „Wiedervereinigung“ in ihm selbst eine Verfassungsbildung vorgeschrieben ist) und Gründung der beiden deutschen Staaten auch das Ende von „Berlinblockade“ und „Luftbrücke“. Ja ich setze bewußt beide Begriffe in Anführungszeichen, denn weder wurde (West)Berlin komplett durch die Sowjetunion blockiert und damit die Bewohner der westlichen Besatzungszonen Berlins dem Hungertod durch die „Russen“ ausgesetzt, noch rettete die „Luftbrücke“ dieselben vorm verhungern. Heute noch viel mehr als vor 70 Jahren handelt es sich vor allem um eine groß angelegte Propagandaaktion des Westens.

Neben Sinn und Unsinn der von den Kommunisten unter Stalins Führung verordneten und realisierten Blockade einer Millionenstadt sollte man sich fragen, ob es überhaupt möglich war, eine Stadt mit etwa 2 Millionen Einwohnern aus der Luft zu versorgen. Nebenbei – eine Nation die am schwersten unter den Folgen des Krieges gelitten hat, lässt seinen Stadtkommandanten im Befehl Nummer 1 die Versorgung der Zivilbevölkerung regeln und gefährdet 3 Jahre später das Leben eben dieser Menschen (jedenfalls eines großen Teils der Einwohner) aus politischem Kalkül.

Auf den Nachdenkseiten findet sich heute ein guter Artikel zum Thema. Klaus-Dieter Haas schildert die damaligen Ereignisse aus seiner persönlichen Sicht und verweist auf den politischen Kontext der Ereignisse.

Der spätere US-Außenminister John Foster Dulles sagte im Januar 1949 in kleinem Kreis in Paris: “Zu jeder Zeit hätte man die Situation in Berlin klären können […] Die gegenwärtige Lage ist jedoch für die USA aus propagandistischen Gründen sehr vorteilhaft. Dabei gewinnen wir das Ansehen, die Bevölkerung von Berlin vor dem Hungertod bewahrt zu haben, die Russen aber erhalten die ganze Schuld wegen ihrer Sperrmaßnahmen.“ (Zitiert in George S. Wheeler: „Die amerikanische Politik in Deutschland (1945-1950)“, Berlin (Ost) 1958, S. 223) Sehr deutlich wird auch L. L. Matthias: „Einen sehr willkommenen Anlaß, die öffentliche Meinung der Welt gegen die Russen zu mobilisieren, bot die Berliner Blockade […] Es war ganz offenbar, daß Truman, Acheson und General Clay die Blockade absichtlich verlängert hatten, um einen Zwischenfall zu einem welthistorischen Ereignis aufzublasen und die Last der Verantwortung, die auf den Schultern der Russen lag, zu vervielfachen.” (L. L. Matthias: Die Kehrseite der USA, Reinbek bei Hamburg 1971, S. 146ff.) Die Reihe solcher Propagandaleistungen der USA oder Briten, hilfreich begleitet von deutschen Medien, läßt sich mühelos ergänzen und bis in die Gegenwart verfolgen.

Aus dem Artikel

Zitat des Tages – Kurt Tucholsky

 

Wenn sich in Rußland auch nur ein Achtel der Entführungen, Erpressergeschichten, Bandenüberfälle und Gewalttaten ereignete wie in Amerika: das Geschrei der sittlich entrüsteten Amerikaner möchte ich mal hören! Sie sollten wirklich bei sich selber Ordnung machen, sich auf Reisen anständiger benehmen und im übrigen den Schnabel halten. (Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke Bd.10, S.106)

Das Zitat stammt aus dem Jahr 1932. Es scheint als hätte sich in den vergangenen 86 Jahren nicht viel geändert, was die Außenwirkung der US-Bürger betrifft …

 

 

Gerassimow zur Lage in Syrien

Armeegeneral Gerassimow

Armeegeneral Gerassimov ist Generalstabschef der russischen Armee. Bereits am 26.12.2017 gab er der Zeitung „Komolskaja Prawda“ ein Interview zur Lage in Syrien, insbesondere zu den Aufgaben der russischen Armee im Kampf gegen ISIS und die anderen terroristischen Verbände.

Interessant ist dieses Interview u.a. deshalb, da einige Details der Handlungen und Methoden des Kampfes offen gelegt wurden. Gegen Ende macht Gerassimow deutlich, dass die Beteiligung Russlands an der Zerschlagung von ISIS durchaus direkten Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation entsprach …

Wenn wir uns nicht in Syrien eingemischt hätten, was wäre passiert? Schauen Sie, im Jahr 2015 verblieben wenig mehr als 10 Prozent Territorium, das von der Regierung kontrolliert wurde. Zwei Monate weiter, zum Jahresende 2015 wäre Syrien vollständig unter ISIS Herrschaft gewesen. Irak zu einem großn Teil auch. ISIS hätte weiter Zulauf erhalten und sich auf Anliegerstaaten ausgebreitet.
Einige tausend unserer „Landsleute“ gingen dahin, um zu kämpfen. Wir müssten mit diesen Kräften auf unserem Territorium wieder zusammenstoßn. Sie würden im Kaukasus, in Zentralasien, im Wolgagebiet operieren. Es würden Probleme in sehr viel größerer Dimension entstehen. Wir brachen dem ISIS das Rückgrat auf syrischem Territorium.
Unsere Streitkräfte zerschlugen faktisch den Feind an den fernen Zugängen zu den Grenzen unseres Staates.

Eine vollständige Übersetzung des Interviews (wem Google zu holprig ist) findet ihr in der März/April-Ausgabe 2018 der Zeitschrift „Offen-siv“.