Musiktipp – Hannes Wittmer

Bild von youtube.com

 

Der Emil hat mich auf den nächsten „Singer-Songwriter“ aufmerksam gemacht. Sein Artikel machte mich neugierig und die Erwartung wurde erfüllt. Hannes Wittmer, früher als „Spaceman Spiff“ unterwegs und Platten veröffentlichend, bietet gute, handgemachte Musik und berührende, nachdenkliche Texte. Eben das, was man so von einem „Singer“ erwartet (mich nervt auch hier der Anglizismus).

Sein Blog, zeigt ihn als sympathischen, nachdenkenden Menschen. Seine neue Platte, noch für dieses Jahr geplant, wird nicht verkauft, sondern kostenlos zum Download bereitstehen. Wittmer auf seinem Blog dazu:

ich habe mich dazu entschlossen, mein nächstes Album zu verschenken. Es wird also weder im Handel, noch bei den gängigen Streaming- und Downloadplattformen zur Verfügung stehen. Zusätzlich möchte ich auch meine Konzerte (soweit möglich) auf Pay-What-You-Want-Basis spielen. Es ist für mich sowas wie eine Radikalkur von der Musikwirtschaft, ihren Mechanismen und Widersprüchen.

In seinem neuesten Beitrag geht er sogar noch weiter:

Ich bin zutiefst besorgt über die Entwicklungen unserer Zeit. Sowohl im Ökologischen (Klimawandel, Plastikberge) als auch im Politischen (europaweiter Rechtsruck, Flüchtlingswellen und der desolate Umgang damit) und Gesellschaftlichen/Sozialen (Arm-Reich-Schere, zunehmende Individualisierung und Entfremdung,  fehlende  Empathie).  Auf der Suche nach den Ursachen stoße ich am Ende immer wieder auf ein Wirtschaftssystem, dass sich einen Scheißdreck um Mensch und Natur schert. Die Gesellschaft, samt ihrer moralischen Normen und Werte, sollte die Basis für die Wirtschaft sein und nicht anders herum. Unsere Wirtschaft hat aber ein Eigenleben angenommen, beeinflusst die Gesellschaft massiv und breitet sich gleichzeitig in sämtliche Lebensbereiche aus. Ökonomische Denkweisen und Zwänge bestimmen mehr und mehr, wie wir uns in unserer Gesellschaft gegenüber Anderen verhalten. Geld (sparen/verdienen) und Wohlstand scheinen am Ende universell tolerierte Rechtfertigungen für ALLES zu sein und wirtschaftliche Bedenken und Interessen stechen somit regelmäßig moralische Fragen aus.

Wichtige Gedanken die Hannes Wittmer da äußert, den eigenen Weg suchend und hoffentlich findend.

Am Ende soll euch einer seiner Titel überzeugen (und es ist bewußt ein anderer als beim Emil um eine Doppelung zu vermeiden) …

auf der suche nach wahrheit
wie es wirklich ist
findet man endlich klarheit
bis man sie wieder vergisst

wir fallen in tiefe löcher
und klettern wieder hinauf
und die sonne geht unter
und die sonne geht auf

wir hängen dinge an große glocken
wir pfeifen töne in den wind
und wundern uns am morgen
warum wir noch nicht
angekommen sind

denn woanders ist auch immer
nur ein weiteres hier
und immer viel zu viel die andern
immer viel zu wenig wir

aber nur weils uns nicht gut geht
heißt das nicht es geht uns schlecht
nur weil alle anderen reden
heißt das nicht sie haben recht
wir sind lange schon auf reisen
und kommen immer nur so weit
wie die ideen uns tragen
wie der mangel uns treibt

vowärts ist keine richtung
aber alle rennen mit
das hier ist nicht el dorado
das ist nur ein kleiner schritt

rückwärts ist keine richtung
aber alle schaun zurück
das hier ist nicht gotham city
das ist nur ein kleines stück

und die sonne geht unter
und die sonne geht auf
wir klettern löcher hinunter
und fallen wieder hinauf

2 Replies to “Musiktipp – Hannes Wittmer”

  1. Oh. Danke.

    Ich kann mir allerdings vorstellen, daß es da einige „Probleme“ mit der GEMA u.ä. geben wird; und doch hoffe ich, daß es mehr Künstler wie ihn gibt in Zukunft.

    Und bis dahin „klettern [wir] Löcher hinunter/und fallen wieder hinauf“.

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