Zitat der Woche – New York Times zum "Spionageskandal"

Die New York Times schrieb am Montag zum „Spionageskandal“:

Wir sind weit entfernt von der Ära eines Außenministers Henry Stimson, der 1929 seinen Entschluss zur Schließung des Dechiffrierungsbüros des Außenministeriums mit den Worten begründete:

„Gentlemen lesen nicht die Post von irgendjemand Anderem.“
(freie Übersetzung von mir)

Datensammler

Groß sind die Krokodilstränen die hierzulande vergossen werden, weil die „atlantischen Verbündeten“ Deutschland umfassend ausspähen. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei unseren entsetzten Politikern vor allem darum geht, dass die amerikanischen und britischen Datensammler nicht halt machen vor Regierungsinstitutionen. Der Spiegel berichtete ja, dass auch die Bundesregierung bis „hinauf zur Kanzlerin“ überwacht werde. Andererseits glaube ich nicht so recht an die Ahnungslosigkeit der Politkaste in unserem Land, halte es eher für gängige Geheimdienstpraxis das auch „befreundete Nationen“ überwacht werden. Es liegt in der Natur der Sache, denn Informationsvorsprung war und ist schon immer eine der schärfsten politischen Waffen gewesen. Warum sollte es in unserer Zeit, die wir eitel das Zeitalter der „Informationstechnologie“ nennen nun gerade anders sein?

Ganz im Gegenteil, durch die immer größer werdende Digitalisierung der Informationsflüsse rund um den Globus sind die technischen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung deutlich größer geworden. Und natürlich werden diese Möglichkeiten genutzt von „Freund“ und „Feind“. Ich bin davon überzeugt davon, dass auch die deutschen Geheimdienste kräftig mitmischen auf dem internationalen „Informationsmarkt“. Ob die deutschen Aktivitäten ein ähnliches Ausmaß erreichen (können) wie die amerikanischen oder britischen ist fraglich, spielt aber in der Bewertung für mich keine Rolle. Beschränkungen sehe ich hier vor allem im technischen und finanziellen Bereich, keinesfalls im ethischen.

Kaum eine Rolle spielt aber in der momentanen Diskussion das neue Gesetz zur Bestandsdatenauskunft, vom Bundestag im Mai beschlossen und bereits in 3 Bundesländern auf Landesebene spezifiziert. Ein groß angelegter Angriff auf die Privatsphäre der Bürger dieses Landes. Briefgeheimnis gibt es nicht mehr, Privatsphäre – abgeschafft. Unter dem Deckmantel der „Terrorabwehr“ werden diese Grundrechte einfach ausgehebelt. Insbesondere die Umsetzung in den Ländern zeigt deutlich, wie stark die Rechte von Polizei und (zumindest in Mecklenburg-Vorpommern) Verfassungsschutz erweitert und die Rechte der Bürger eingeschränkt werden. Ein wenig kann man bei Heise nachlesen, eine wirklich aufschlußreiche Lektüre … Auch in Sachsen-Anhalt plant Innenminister Stahlknecht ein „Gesetz zur Neuregelung der Erhebung von telekommunikations- und telemedienrechtlichen Bestandsdaten“ in dem neben der Polizei auch der Verfassungsschutz weitergehende Rechte zur „Datenerhebung“ eingeräumt werden sollen. Widerstand regt sich bezeichnenderweise lediglich bei den Piraten und der Linken.

Was kann nun der Einzelne tun? Neben der Beteiligung an Petitionen, Demonstrationen u.ä. bleibt auch der Weg, seine Kommunikation so weit wie möglich abzusichern. Wie? Das Netz ist voll mit Anregungen und Anleitungen, nutzt sie. Verhindern kann man die Datensammelwut unserer „Beschützer“ damit sicher nicht, behindern schon …

„Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“
Benjamin Franklin

Generisches Femininum, WordPress und Alltagssexisten

Nun ist das Thema also in der WordPress-Gemeinde angekommen: Thomas Scholz (Hauptakteur bei der Erstellung der deutschen Sprachdatei von WordPress) stellt in seinem Blog zur Diskussion, in eben dieser Sprachdatei in Zukunft das generische Femininum zu verwenden. D.h. zum Beispiel steht dann „Benutzerin hinzufügen“ statt „Benutzer hinzufügen“. Grundlage dieser inzwischen gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung ist die Annahme, dass durch die Verwendung des Maskulinums Frauen diskriminiert ja mehr noch, dass man durch die Umkehrung der „Diskriminierung“ einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten würde.

Für mich steht fest, dass sich Diskriminierung eines Geschlechts nicht primär in der Sprache zeigt, sondern eher in den ökonomischen und politischen Verhältnissen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine Forderung die deutlich wichtiger ist, als die infantile Änderung unserer Sprache. Einige Diskussionsteilnehmer – darunter sehr viele Frauen – teilen diese meine Auffassung. Sehr schön der Diskussionsbeitrag von „Thordis“ auf Perun.net unter dem Titel „Ist WordPress eine Frau?„. Noch weiter geht Harald Stücker, der – bereits im April diesen Jahres auf die Änderung der Straßenverkehrsordnung reagierend – das Hauptproblem der Frauendiskriminierung in den monotheistischen Religionen sieht.

Einen weiteren Blog möchte ich noch erwähnen, obwohl mit der aktuellen Diskussion nicht direkt verbunden: Heidrun Jänchen, Physikerin aus Jena, nimmt ab und an Stellung zu Fragen der Gleichberechtigung und spricht mir desöfteren aus dem Herzen. Sie verwendet dabei den Begriff „Alltagssexisten“ und seit diesem Artikel von ihr, bin ich so vermessen mich selbst als solchen zu betrachten 😉 …

So bleibt mir am Ende nur ein kurzes Fazit: nicht die Änderung der Sprache wird zu mehr Gleichberechtigung führen und ich gehe auch so weit, im generischen Maskulinum gar keine Diskriminierung zu erkennen. Ein Ende der tatsächlich vorhandenen Diskriminierung wird nur durch eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse erreicht. Da waren wir – zumindest in einem Teil Deutschlands – schon mal deutlich weiter …