Geschichte wird "umgeschrieben" – Revisionismus

Es ist unfassbar was in den vergangenen Wochen und Monaten durch Medien und Politik unternommen wird um die Geschichte des 2. Weltkriegs „umzuschreiben“. Erst waren es Ukrainer die Auschwitz befreiten, jetzt sogar Amerikaner. Polen als unschuldiges Opfer der beiden Diktatoren, und als vorläufiger Gipfel die Gleichsetzung des faschistischen Deutschlands und der sozialistischen Sowjetunion als Verantwortliche für den Ausbruch des Krieges und Verursacher von Millionen Toten.

Es fällt mir schwer über all den Schmutz und all die Lügen zu schreiben und dabei nicht emotional zu reagieren. Es gibt andere, bessere Schreiber die sich zum Thema äußerten. Auf der deutschen Version der Seite Antikrieg.com von Klaus Madersbacher fand ich diesen interessanten Artikel zum Thema:

Das Umschreiben der Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist eine unheilvolle Warnung

Strategic Culture Foundation

Es ist verblüffend und zutiefst beunruhigend, dass 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Geschichte dieses Ereignisses direkt vor unseren Augen umgeschrieben wird.

Dieser Krieg hatte über 50 Millionen Tote zur Folge, wobei mehr als die Hälfte der Opfer aus der Sowjetunion stammten. Er beinhaltete die schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, einschließlich des systematischen Massenmords an Millionen von Menschen, den Nazi-Deutschland verübte und der als Holocaust bekannt ist. Zu den Opfern gehörten Juden, Slawen, Roma, sowjetische Kriegsgefangene und andere, die die faschistischen Nazis als „Untermenschen“ bezeichneten.

Die sowjetische Rote Armee schlug die Nazis von Russland bis nach Osteuropa zurück und besiegte schließlich das Dritte Reich in Berlin. Fast 90 Prozent aller Wehrmachtsopfer während des gesamten Krieges wurden an der Ostfront gegen die Rote Armee erlitten. Das allein zeugt davon, dass die Sowjetunion diejenige unter den alliierten Nationen war, die die Niederlage Nazideutschlands in erster Linie vollbrachte.

Vor fünfundsiebzig Jahren, am 27. Januar 1945, waren es Soldaten der Roten Armee, die das berüchtigte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreiten. Es war während der Weichsel-Oder-Offensive, die die Nazis aus Polen vertrieb und damit den Weg für die endgültige siegreiche Schlacht in Berlin etwa drei Monate später ebnete.

Es ist unglaublich, dass diese objektiven Fakten der Geschichte über den katastrophalsten Krieg, der je geführt wurde, in der lebendigen Erinnerung verfälscht oder heimtückisch manipuliert werden.

Das meistgelesene deutsche Magazin Der Spiegel, die amerikanisch-europäische Zeitschrift Politico, eine Ankündigung einer US-Botschaft sowie der amerikanische Vizepräsident Mike Pence gehören zu den jüngsten Quellen, die die heroische Rolle der Sowjetunion bei der Befreiung von Auschwitz entweder verfälscht oder heruntergespielt haben. Dies ist Teil eines beunruhigenden Trends, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs neu zu schreiben, wobei die Sowjetunion auf absurde Weise mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt wird. Solch eine verwerfliche Fiktion muss von allen gewissenhaften Historikern und Bürgern abgelehnt und zurückgewiesen werden.

Der Spiegel und die US-Botschaft in Dänemark mussten sich beide in aller Verlegenheit entschuldigen, nachdem sie getrennt erklärt hatten, dass es die amerikanischen Streitkräfte waren, die Auschwitz befreit haben. Es ist verblüffend, wie ein solcher Fehler am 75. Jahrestag eines der herausragendsten Ereignisse der Geschichte gemacht werden konnte – von einer führenden Zeitschrift und einem diplomatischen Korps.

Noch düsterer war ein Artikel des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, der am 24. Januar im Politico veröffentlicht wurde und in dem er behauptete: „Die Sowjetunion war weit davon entfernt, ein Befreier zu sein, sondern sie war ein Wegbereiter für Nazi-Deutschland“.

Der polnische Politiker bildet da keine Ausnahme. In den letzten Jahren ist das zu einem Hauptargument geworden, das von anderen polnischen Führern und Politikern aus den baltischen Staaten verfochten wird, die die Geschichte des Krieges revidieren wollen und die Sowjetunion als Komplizen Nazi-Deutschlands beschuldigen. Die Korruption der Geschichte wird zum Teil von dem Wunsch angetrieben, die ruchlose Rolle führender Kreise dieser Länder als Quislinge des Dritten Reiches, die diesem bei der Durchführung des Holocaust geholfen haben, zu beschönigen.

Die Rede von Vizepräsident Pence bei der Holocaust-Gedenkfeier in Jerusalem am 23. Januar war ein weiterer bedauerlicher Taschenspielertrick. In seiner Rede erwähnte er nicht ein einziges Mal die Tatsache, dass die sowjetischen Streitkräfte die Tore von Auschwitz aufgesprengt haben. Pence sagte lediglich: „Als die Soldaten die Tore von Auschwitz öffneten …“ Einen Satz später erwähnte er, wie „amerikanische Soldaten Europa von der Tyrannei befreit haben“.

Es ist schon erstaunlich, wie schamlos falsche Erzählungen über den Zweiten Weltkrieg in die Welt gesetzt werden, und zwar nicht nur von Neonazi-Sympathisanten und Verrückten, sondern von angeblich hochrangigen Politikern und seriösen Medien. Es ist verblüffend, wie die heroische Rolle der sowjetischen Kommandeure, Soldaten und Menschen untergraben, mit dem Airbrush bearbeitet und sogar zu einem grotesken Gegenbild verunglimpft wird.

Washingtons kriegerische geopolitische Agenda des Versuchs, Russland zu isolieren und zu untergraben, liegt zweifellos dem Prozess der Geschichtsumschreibung zugrunde, um Russland seiner moralischen Autorität zu berauben und es als bösartige Nation dastehen zu lassen. Natürlich spielt die obsessive Russophobie polnischer und baltischer Politiker in diese Agenda hinein.

Dieser verwerfliche Revisionismus steht in eklatantem Widerspruch zu internationalen Bibliotheken mit dokumentierter Geschichte, Archiven, offizieller und persönlicher Korrespondenz, Fotografien sowie Zeugenberichten aus erster Hand und leugnet diese.

Ein ausgezeichneter Aufsatz von Martin Sieff (> LINK auf englisch) erzählt diese Woche, wie sowjetische Soldaten und Sanitäter die verbliebenen 7.000 unglückseligen Häftlinge von Auschwitz pflegten. Mehr als eine Million Menschen wurden von den Nazis umgebracht, bevor sie vor den vorrückenden sowjetischen Truppen flohen.

Der für die Befreiung von Auschwitz zuständige sowjetische Offizier war Oberstleutnant Anatoly Shapiro. Er war selbst ein in Russland geborener Jude. Die sowjetischen Soldaten sprachen von ihrem Entsetzen und ihrem Schmerz, als sie die höllischen Zustände entdeckten, in denen bis zum Skelett abgemagerte Männer, Frauen und Kinder am Rande des Todes standen. Überall lagen Leichen von Toten inmitten gefrorener Blutlachen.

Ein anderer jüdischer sowjetischer Offizier, Oberst Elisavetsky, erzählte, wie russische Ärzte und Krankenschwestern ohne Schlaf und Essen arbeiteten, um die abgemagerten Häftlinge zu retten.

Sieff schreibt: „Für Oberst Shapiro wäre der Gedanke, dass er, seine Kameraden der Roten Armee und das medizinische Personal, die für die Befreiung von Auschwitz kämpften und starben und die so hart für die Rettung der erbärmlich wenigen Überlebenden arbeiteten, einfach mit den Massenmördern der Nazis gleichgesetzt werden sollten, lächerlich und verachtenswert gewesen … Die wahre Geschichte der Befreiung von Auschwitz muss erzählt und neu erzählt werden. Sie muss den Russland hassenden Frömmlern und Kriegshetzern überall auf der Welt unter die Nase gerieben werden“.

Die Aufrechterhaltung des historischen Ablaufs des Zweiten Weltkriegs – seine faschistischen Ursprünge und seine Niederlage – ist nicht nur eine Frage des Nationalstolzes der Russen. Wenn die Geschichte geleugnet, verfälscht und verzerrt werden kann, dann kehrt die Gefahr einer Wiederholung zurück. Wir dürfen niemals zulassen, dass die heroische Rolle der Sowjetunion vergessen oder herabgesetzt wird, und schon gar nicht von Menschen, die eine Vorliebe für den Faschismus zu haben scheinen.