Kurt Gossweiler gestorben

 

Meine Erlebnisse auf sowjetischer Seite haben meine kommunistische Einstellung und die Überzeugung gefestigt, dass die Sowjetunion auf dem richtigen, von Lenin gewiesenen Wege voranschreitet. Und sie haben mich befähigt, sehr früh zu erkennen, dass unter der Führung Chruschtschows die KPdSU unter dem Vorwand des Bruchs mit dem so genannten „Personenkult“ in Wahrheit den Bruch mit dem Marxismus-Leninismus vollzog und den Weg der Restauration des Kapitalismus beschritt. Allerdings war ich lange Zeit – bis 1988 – davon überzeugt, dass das nie gelingen werde.

Wie es dennoch dazu kommen konnte – diese Frage zu beantworten, ist vordringlich, weil Voraussetzung für einen neuen, endgültig erfolgreichen Sieg über den Imperialismus, dessen fortdauernde Herrschaft das Überleben der Menschheit in Frage stellt.

Deshalb habe ich nach der Katastrophe von 1989/90 meinem alten Forschungsgebiet „Faschismus“ den Rücken gekehrt, um, solange mir das meine Kräfte erlauben, meinen Teil zur Beantwortung dieser vordringlichen Frage beizutragen.

Der Historiker Kurt Gossweiler verstarb nach einer Meldung der „Jungen Welt“ am heutigen Mittwoch in Berlin. Der aufrechte Kommunist wurde 99 Jahre alt.

Mir verhalfen seine Bücher, Texte und veröffentlichten Briefe zu einer neuen Sicht auf viele historische Ereignisse und Personen. Seine Webseite mit zahlreichen von ihm verfasster Dokumente ist (noch) online. Ein lange gehegter Vorsatz drängt nun zur Ausführung – die Archivierung der Dokumente von seiner Webseite …

Zitat des Tages – Klaus-Jürgen Bruder

„Krieg gegen den Terror“: die flankierende Strategie zum Neoliberalismus. Sie trägt den Terror ins eigene Land, terrorisiert die eigene Bevölkerung und stärkt so deren Loyalität gegenüber den Regierenden, vor allem bei der Durchsetzung der „inneren Sicherheit“ (auf Kosten von Freiheit und Demokratie, allgemeinem Wohlstand): terroristische Überfälle sollen die Notwendigkeit von Gesetzesverschärfungen plausibel machen.

Klaus-Jürgen Bruder, „Krieg gegen die eigene Bevölkerung“, rubikon.news

Ein irischer Segen

Gefunden beim Emil: ein irischer Segen aus dem Jahr 1692.

Geh deinen Weg ruhig – mitten in Lärm und Hast, und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht, aber gib dich selbst nicht auf dabei.

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar und höre die anderen auch an, selbst die Unwissenden, Dummen – sie haben auch ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide. Sie sind eine Plage für Dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst, wisse, daß Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten. Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen. Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden. Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften. Die Welt ist voller Tricks und Betrug. Aber werde nicht blind für das, was dir an Tugend begegnet. Sei du selbst – vor allem: heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst. Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.

Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.

Nimm den Ratschluß deiner Jahre mit Freundlichkeit an. Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemüts, damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft, aber überfordere dich nicht durch Wunschträume. Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir. Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.

Du bist ein Kind der Schöpfung, nicht weniger als die Bäume und Sterne es sind. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob du es merkst oder nicht – ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so, wie sie es soll.

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst. Und was auch immer deine Mühen und Träume sind in der lärmenden Verwirrung des Lebens – halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plagerei und ihren zerronnenen Träumen –

die Welt ist immer noch schön!