Zitat des Tages – Johann W. Goethe

Als kleine Ergänzung zum vorherigen Beitrag:

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln …

Die wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
hat man von je gekreuzigt und verbrannt.

Quelle: Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Szene: Nacht, Faust zu Wagner

Das Ende der Megamaschine – Buchtipp

Bereits 2015 erschien „Das Ende der Megamaschine“ von Fabian Scheidler, ich stieß erst jetzt auf dieses interessante Buch. Scheidler seziert mit Präzision den Mythos vom Fortschritt den die westliche Welt seit Jahrhunderten durchläuft und dabei immer mehr Frieden und Wohlstand verbreitet. Stattdessen zeigt er auf, dass Krieg, Zerstörung, Expansion und Unterdrückung grundlegende Pfeiler des Aufstiegs Europas (und europäisch dominierter Länder) waren und sind. Das Ziel dieser Entwicklung war und ist nicht die Verbesserung des Lebens für die Menschheit, sondern lediglich einer überschaubaren Gruppe von Menschen, der Eliten.

Das System der „Megamaschine“ – Wachsen ohne Begrenzung, immer weiter um immer mehr „Geld“ zu produzieren – stößt nunmehr an seine Grenzen, so Scheidler. Besonders die begrenzten Ressourcen unseres Planeten setzen dem nunmehr am Ende. Gleichzeitig pervertierte das System in der Geschichte immer weiter – immer weniger profitieren, immer mehr verlieren.

Scheidler prophezeit das Ende des Kapitalismus – oder das Ende der Menschheit. Immerhin unterscheidet sich diese Sicht der Dinge wohltuend vom propagierten „Ende der Geschichte“ und dem Kapitalismus als der letzten menschlichen Gesellschaftsform.


Auf Zeuchs Buchtipps fand ich den folgenden Satz, der die Stärke des Buches mMn sehr gut aufzeigt:

In den insgesamt 11 Kapiteln analysiert und belegt Scheidler diese Zusammenhänge und fordert seine LeserInnen heraus. Es wird zunehmend unerträglicher, den Wahnsinn und die menschenverachtenden Auswirkung der Megamaschine zu ertragen. All das nur, um die eigennutzende Gewinnmaximierung zu perfektionieren und Geld um des Geldes Willen weiter anzuhäufen.

 

Ein irischer Segen

Gefunden beim Emil: ein irischer Segen aus dem Jahr 1692.

Geh deinen Weg ruhig – mitten in Lärm und Hast, und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht, aber gib dich selbst nicht auf dabei.

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar und höre die anderen auch an, selbst die Unwissenden, Dummen – sie haben auch ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide. Sie sind eine Plage für Dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst, wisse, daß Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten. Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

Freue dich an deinen Erfolgen und Plänen. Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden. Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften. Die Welt ist voller Tricks und Betrug. Aber werde nicht blind für das, was dir an Tugend begegnet. Sei du selbst – vor allem: heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst. Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.

Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.

Nimm den Ratschluß deiner Jahre mit Freundlichkeit an. Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemüts, damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft, aber überfordere dich nicht durch Wunschträume. Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir. Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.

Du bist ein Kind der Schöpfung, nicht weniger als die Bäume und Sterne es sind. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob du es merkst oder nicht – ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so, wie sie es soll.

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst. Und was auch immer deine Mühen und Träume sind in der lärmenden Verwirrung des Lebens – halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plagerei und ihren zerronnenen Träumen –

die Welt ist immer noch schön!