Rolle rückwärts bei Ubuntu


Es ist fast genau 4 Jahre her, dass ich mich von Ubuntu – genauer von Kubuntu – zurückgezogen habe. Gründe dafür habe ich in einem Artikel beschrieben. Im wesentlichen ging es mir gegen den Strich, dass man einerseits im Bereich der Desktopmanager mit der Eigenentwicklung Unity eigene Wege ging und in diesem Zusammenhang auch eine eigene Display-Architektur entwickelte. Mit Maui-Linux und auch mit meinem aktuellen Betriebssystem KDE Neon landete ich zwar durch die Hintertür wieder bei Ubuntu, hatte allerdings deswegen ein ausgesprochen ungutes Gefühl.

Sicher nicht unbedingt wichtig für die große weite Welt, für mich allerdings mehr als eine Kleinigkeit. Schon war ich auf der Suche nach einer Alternative – wieder einmal. Insofern sind es gute Nachrichten, die ich am Wochenende las: Canonical, die Firma hinter Ubuntu, zieht die Reißleine und stellt die Entwicklung von Unity ein, kehrt wohl im kommenden Jahr zu Gnome als Standard-Desktop zurück und stampft auch die eigene Display Architektur „Mir“ ein. Die Rückkehr zu Wayland beendet einen Teil der Linux-Diaspora und führt die große Gruppe der Ubuntu-Nutzer zurück in das Lager der „normalen“ Linux-Distributionen.

Für mich der Moment wieder mit ruhigem Gewissen vor meinem Desktop zu sitzen und mich meiner Linux-Distribution zu erfreuen. Ein Blick zu Kubuntu wird dadurch ebenfalls wieder möglich ….

Immer wieder Ubuntu

Die neue ct von gestern beschäftigt wieder einmal mit dem Umstieg von Windows zu einem alternativen Betriebssystem. Natürlich landen auch hier die Redakteure bei einem Linux. Das Anliegen als solches ist löblich, aber warum landen die Damen und Herren am Ende immer bei Ubuntu?

Das nun ausgerechnet Ubuntu besonders benutzerfreundlich sein soll, halte ich für eine Fehleinschätzung. In einem längeren Artikel beschreibt einer der Redakteure seinen (erfolgreich verlaufener) Selbstversuch, Windows gegen ein aktuelles Linux einzutauschen. Doch auch hier wird am Ende nicht die Ubuntu-eigene Oberfläche Unity sondern XFCE eingesetzt. XFCE ist aber auf diversen Linux-Distributionen verwendbar, nicht nur bei Ubuntu. Tatsächlich steht das „Argument“ der leichten Bedienung inzwischen nicht mehr im Vordergrund, vielmehr verweist man auf die große Community, die im Umfeld von Ubuntu existiert. Ich verfolge die Entwicklung des südafrikanischen Linux-Derivats schon seit Längerem nicht mehr, halte aber die verwendete Begründung für wenig stichhaltig.

Ubuntu basiert auf Debian, wie eine ganze  Menge anderer Distributionen. Tipps aus der Ubuntu-Community sind auf viele dieser anderen Linuxe verwendbar – und umgekehrt. Nun gut, scheinbar existieren immer besonders „publikumswirksame“ Varianten und Ubuntu hält sich hartnäckig im Vorderfeld der Linux-Varianten.

Ich selbst habe jahrelang auf (K)Ubuntu gesetzt, habe aber vor 3  Jahren den Absprung vollzogen. Gründe dafür, habe ich damals in einem Artikel aufgeführt:

Trage ich mich schon lange mit dem Gedanken (K)Ubuntu den Rücken zu kehren, so sind am vergangenen Montag weitere Gründe hinzugekommen: Canonical (die Firma hinter Ubuntu) gab bekannt, dass sie einen eigenen Display-Manager entwickeln will.

Canonical geht wieder eigene Wege. Nach der Entwicklung von Unity und damit Abwendung von Gnome, den Rückzug aus dem KDE-Projekt erfolgt jetzt ein weiterer, bedeutsamer Schritt in Richtung proprietärer Software. Ubuntu als geschlossenes System, abgekoppelt vom Rest der Linux-Welt.

DAS war und ist der Grund, warum ich Canonical und seinem Linux skeptisch gegenüber stehe. Und daran hat sich wenig geändert.

Liebe Redaktion von ct: es gibt mehr Derivate als Ubuntu, die über ebenso rege Communities verfügen und ebenso benutzerfreundlich sind. Es ist an der Zeit, Nutzer bei ihrem Umstieg von Windows auch auf diese aufmerksam zu machen!

Kanotix vs. Kubuntu

kanotix-logo-150x150Die Umstellung meiner Rechner von Kubuntu zu Kanotix (bzw. ein Rechner zum Suse Linux Enterprise Desktop 11 von Novell) ist abgeschlossen. Gestern Abend habe ich den letzten Rechner in meiner „Verfügungsgewalt “ – der im Kinderzimmer – umgestellt. Im Großen und Ganzen ging das alles schmerz- und reibungslos, vor allem weil ich System- und Homepartition auf den wichtigen Rechnern bereits seit Jahren getrennt halte. Eigentlich hatte ich gar nicht vor diesen letzten PC umzustellen, aber ein missglücktes Upgrade auf Kubuntu 13.04 erleichterte die Entscheidung ungemein. Nach dem Upgrade startete KDE nicht mehr richtig (D-Bus Fehler wurde gemeldet), der Midnight Commander erzählte was von geänderten Pfaden und meine Bereitschaft nunmehr stundenlang Probleme zu wälzen, hielt sich in uberschaubare Grenzen. Auf dem PC befanden sich ohnehin keine relevanten Daten und die Ausrüstung mit einer größeren Festplatte war auch schon länger vorgesehen.

Die alte 250GB IDE-Festplatte (die dient mir schon 10 Jahre und meldete mir seit ca. 3 Monaten defekte Sektoren) wurde durch eine 750GB SATA-HDD ersetzt und auf dieses jungfräuliche System installierte ich Kanotix. Alles verlief reibungslos und ohne größere Komplikationen, selbst das Problem mit dem Flash-Plugin im Iceweasel trat nicht auf. Wird wohl an meiner vorhandenen Installation auf den anderen Rechnern gelegen haben. Die Nachinstallation der von mir favorisierten Programme war dann schon wieder nur Routine …

Für mich geht damit eine Ära zu Ende. Mit Kubuntu habe ich den Absprung von Windows geschafft und erste Grundlagen von Linux erlernt, ja mehr noch – ich habe über Kubuntu einen Faible für freie Software und die ganze ‚ix-Welt entwickelt. Beruflich hat es mich vorangebracht (Serversysteme unter Linux gehören inzwischen zu meinem Alltag) und die vielen „Selbstversuche“ für die LPI-Zertifizierung musste ein Kubuntu-Rechner über sich ergehen lassen.

Ich finde bedauerlich das Canonical den nunmehr gewählten Weg eingeschlagen hat (insbesondere die Entwicklung eines eigenen vom Rest der Linux-Welt abgeschotteten X-Servers meine ich damit) und ziehe an dieser Stelle die Reißleine. Bye, bye Kubuntu!