Das große Spektakel – Hannes Wittmer

Durch den Emil aufmerksam geworden hatte ich ja bereits über Hannes Wittmer und sein ungewöhnliches Marketingkonzept berichtet. Nun ist es bereits über eine Woche her, das Hannes sein Album „Das große Spektakel“ veröffentlicht hat, besser den Download zur Verfügung stellt und ich habe trotz gelegentlichem Schnüffeln auf seiner Webseite nichts davon mitbekommen …

Besser spät als nie! Das Reinhören brachte mich dazu, das Album tatsächlich herunter zu laden, das aufmerksame Hören des Albums weckte Begeisterung.

Ihr findet das Album auf der Webseite von Hannes Wittmer, hier auch weitere Informationen zum Konzept und die Tour. Auf Youtube hat Hannes bereits am 01.11. den Titel „Satelliten“ vorgestellt (hier auch die namensgebende Textzeile zu finden).

 

 

 

Zum Schluss will ich Wittmer selbst zu Wort kommen lassen:

Wie schon angekündigt gibt es die Platte weder auf Spotify, iTunes und co, noch auf CD oder sonst irgendwo im Handel. Weil ich Vinyl als Medium zum Musik hören super finde, erscheint im Februar über meine Freunde vom mairisch Verlag eine limitierte Auflage des Albums auf Schallplatte. Diese kann ab jetzt über ihre Homepage vorbestellt werden. Sollte es Gewinne geben, werden sie diese an Ärzte ohne Grenzen spenden. Außerdem werde ich die Platte bei meinen Konzerten dabei haben.

Auch der Eintritt für alle Konzerte der Tour samt Band im Februar (siehe unten) läuft ausschließlich auf Pay-What-You-Want-Basis.

Ursprünglich hatte ich vor zum Release einen ausgeklügelten Text mit wahnsinnig durchdachten Ausführungen zu meiner Entscheidung, meine Musik zu verschenken, parat zu haben. So etwas wie ein „Manifest“ gegen Marktlogik, Turbokapitalismus, Konsumgesellschaft und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, sowie die damit verbundene Entfremdung, Individualisierung und den gesellschaftlichen und sozialen Konsequenzen, die am Ende sicher auch ihren Teil zum immer lauter werdenden rechten Rand beitragen. In den letzten Monaten hab ich aber feststellen müssen, dass ich das, was ich da tue, selbst gar nicht so genau definieren kann. Bisher ist das alles eher ein Prozess, als ein zu Ende gedachtes Konzept und irgendwo zwischen Experiment, Kunst-Projekt, Verzweiflungstat, Suche nach Alternativen, und hoffnungsvollem Aktionismus anzusiedeln.

Kategorie: besonders empfehlenswert!

Literaturtipp – Warum schweigen die Lämmer? – Prof. Mausfeld

Mausfeld nun endlich als Buch. Seine Vorträge erreichten bei Youtube Rekordzahlen und der Psychologe erlangte durch die Videomitschnitte Popularität um die ihn so mancher „Popstar“ und Politiker beneiden dürfte. Auch ich habe beide Videos und die Transkripte der Vorträge hier im Blog verlinkt …

Für das Buchprojekt scheint Prof. Mausfeld seine Vorträge überarbeitet zu haben. Verständlicher, weniger akademisch formuliert. Dem Inhalt und dem (bisherigen) Lesevergnügen meinerseits tat das keinen Abbruch. Eine Rezension will (und kann) ich jedoch nicht schreiben, dazu ist das Thema zu komplex, das Buch zu umfassend.

Neben seinen beiden Vorträgen („Warum schweigen die Lämmer?“ und „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ ) bietet das Buch diverse Interviews, u.a. mit den Nachdenkseiten und Paul Schreyer. Lesenswert und trotz der vielfältigen Möglichkeiten der elektronischen Verbreitung in Buchform ein Qualitätssprung …

Telepolis veröffentlichte bereits am 02.10.18 ein Interview mit Prof. Mausfeld zum Buch. Aus diesem Buch stammt folgendes Zitat:

Aus Sicht der Herrschenden diente die Demokratie fast immer lediglich zur Revolutionsprophylaxe. Auch ist es ein historisches Faktum, dass die Einführung der repräsentativen Demokratie historisch der Demokratieabwehr diente …
 … Die Einführung der repräsentativen Demokratie diente von Beginn an der Sicherung der Eigentumsordnung und der Erzeugung einer Illusion von Demokratie durch Etablierung einer Elitendemokratie. Diese Ideologie einer Elitendemokratie durchzieht als Mittel einer Demokratieverhinderung das gesamte vergangene Jahrhundert bis heute.
Eigentlich sollte leicht zu erkennen sein, dass die Idee politisch umfassend kompetenter, rationaler und dem Allgemeinwohl verpflichteter Eliten nicht mehr als eine Phantasie selbstdeklarierter Eliten ist. Mit dieser ideologischen Fiktion wollten sie die politische Entmündigung des „dummen“ Volkes rechtfertigen. Auch die politischen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte belegen noch einmal, dass, in den Worten von Ingeborg Maus, die Bürger zumeist keineswegs den Grad politischer Dummheit aufweisen, der dem der politischen Funktionseliten auch nur annähernd gleichkäme.
Bei nüchterner Evaluation der Realitäten und der – vor allem langfristig – desaströsen zerstörerischen Folgen der Ideologien von Elitedemokratie und Neoliberalismus, müssen diese Ideologien wohl als so grundlegend gescheitert angesehen werden wie kaum eine gesellschaftliche Ideologie zuvor. Da sie sich jedoch jeder demokratischen Kontrolle entzogen haben, werden sie, solange es das „dumme“ Volk duldet, ihr soziales und ökologisches Zerstörungswerk weiter fortsetzen.
In einem Punkt allerdings Rainer Mausfeld widersprechen: gerade die in seinen Vorträgen aufgezeigte historische Kontinuität der Demokratieverhinderung zeigt, dass es sich hierbei nicht um ein neuzeitliches Phänomen handelt, vielmehr klares Kennzeichen der Klassengesellschaften ist. In diesem Sinne ist die Demokratie auch nicht erst in den vergangenen Jahrzehnten „ausgehöhlt“  und durch eine „Illusion der Demokratie“ ersetzt worden. Sie hat nie existiert, lediglich die Mittel zur Erzeugung der Illusion änderten sich bzw. die Einsicht, dass Unterdrückung und Ausbeutung mit Mitteln der Manipulation und Erzeugung eben dieser Illusion billiger zu realisieren ist als durch nackte Gewalt musste heranwachsen.
Viel mehr noch: seit dem Zusammenbruch des Sozialismus und der Agonie der kommunistischen Bewegung in weiten Teilen der Welt scheint die Aufrechterhaltung der Illusion immer weniger notwendig zu sein, der Weg der nackten Gewalt scheint wieder zu einer Alternative zu sein …

Zitat des Tages – Kurt Tucholsky

 

Wenn sich in Rußland auch nur ein Achtel der Entführungen, Erpressergeschichten, Bandenüberfälle und Gewalttaten ereignete wie in Amerika: das Geschrei der sittlich entrüsteten Amerikaner möchte ich mal hören! Sie sollten wirklich bei sich selber Ordnung machen, sich auf Reisen anständiger benehmen und im übrigen den Schnabel halten. (Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke Bd.10, S.106)

Das Zitat stammt aus dem Jahr 1932. Es scheint als hätte sich in den vergangenen 86 Jahren nicht viel geändert, was die Außenwirkung der US-Bürger betrifft …