Snowden und kein Ende II

Was bringen uns die Enthüllungen durch Edward Snowden? 

Die letzten Wochen haben uns erst einmal gezeigt, dass die vielzitierten „Bedrohungen aus dem Internet“ durchaus real sind. „Big Brother is watching you“ ist lange Realität. Die Überraschung liegt ja eigentlich darin, dass deutlich wird, mit welcher Rigorosität und in welchem Umfang die Überwachung stattfindet. Die Amerikaner sind alles andere als zimperlich, wenn es um die Durchsetzung ihrer wirklichen oder auch vermeintlichen Interessen geht. Nun anzunehmen, dass diese Grundhaltung ausgerechnet auf Internet und Kommunikation nicht zutrifft, ist wohl bestenfalls als naiv zu betrachten …

Die letzten Wochen haben auch gezeigt, wie machtlos – ob nun beabsichtigt oder nicht – unsere nationalen Institutionen sind, sich gegen eine solch massive Überwachung zu wehren. Die „mächtigste Frau der Welt“ ist in den Augen der „transatlantischen Verbündeten“ bestenfalls eine Provinzkönigin. Das sich unsere Frau Bundeskanzler dieser Rolle durchaus bewusst ist, zeigt das „Krisenmanagement“ der letzten Wochen. Ein ernsthafter Versuch der Aufklärung ist nicht erkennbar, stattdessen Verschleierung, Scheinaktivitäten und verbale Allgemeinplätze. 
Einen Aspekt darf man bei dieser Gelegenheit aber nicht vergessen: nicht nur die Amerikaner und ihre britischen Vettern streben nach Informationen. Hier gibt es durchaus noch andere Aspiranten.
  • die deutschen Behörden. Stichwort „Gesetz zur Bestandsdatenauskunft“
  • andere, nicht nur „verbündete“ Geheimdienste
  • Wirtschaftsspionage
  • „Hacker, Cracker, Datendiebe“ will ich als nicht näher definierbare Gruppe anführen
Die gesamte Komplexität des Problems ist an sich lange bekannt, wurde durch die Vorgänge um Edward Snowden aber mehr in den Mittelpunkt des Interesses gebracht. Ralf Koenzen, Chef der deutschen Firma LanCom, gab dieser Tage ein interessantes Interview zum Thema. Ihr findet es auf der Webseite von ZDNet. Ich teile nicht alle Ausführungen, insbesondere nicht sein Plädoyer für „geschlossene Betriebssysteme“, aber sehr viele interessante Aspekte kommen zur Sprache, über die sich ein Nachdenken lohnt. Auch als Privatperson.

Zitat der Woche

Wer in anderen Ländern Windows auf seinen Computern einsetzt, muss verrückt sein.
Richard M. Stallmann
Zum „Geheimdienstskandal“

NSA und Microsoft – Snowden und kein Ende

Erinnert ihr euch noch an die großangelegte Werbekampagne Microsofts für Outlook.com? Tagelang flimmerte der Dummenfang über alle Kanäle. Oder Skydrive (wer’s nicht kennt – die „Microsoft Cloud“) unter dem Slogan beworben „Your privacy is our priority“,sollte Sicherheit suggerieren. Heute rauscht’s nun durch den Blätterwald, dass Microsoft eng mit der NSA zusammenarbeitet und Outlook.com erst veröffentlicht wurde, nachdem entsprechende Hintertüren im System für NSA, CIA und FBI implementiert wurden. Ausführliche Artikel zum Thema findet ihr u.a. bei heise.de.

Überraschend finde ich diese Meldung nun nicht wirklich und obwohl sich meine Sympathien für die Softwareschmiede aus Redmond in bescheidenen Grenzen halten, muss ich sie ausnahmsweise ein wenig in Schutz nehmen: ich gehe davon aus, dass MS durchaus nicht die einzige US-amerikanische Firma ist, die aufgrund der dort gültigen Gesetze zu einer entsprechenden „Zusammenarbeit“ mit den Geheimdiensten gezwungen verpflichtet wurde. Auch internationale Unternehmen kann man davon sicherlich nicht ausnehmen, auch hier wird es Mittel und Wege geben, eine entsprechende „Zusammenarbeit“ zu erwirken. Der Geheimdienstskandal weitet sich immer mehr aus und die Ausmaße nehmen allmählich apokalyptische Dimensionen an. „NSA und Microsoft – Snowden und kein Ende“ weiterlesen