Element of Crime – Konzert in Magdeburg

von der Webseite der Festung Mark

Ist ja schon eine Weile her, dass ich hier im Blog Element of Crime vorgestellt habe. Nach dem Auftritt bei „Ina’s Nacht“ vor über 2 Jahren kaufte ich einige Alben von den Herren und höre sie mit stetigem Vergnügen – nicht jeden Tag, aber doch immer wieder. Die Stimmung muss passen, wie es wohl immer bei Musik ist.

Durch Zufall bekamen wir mit, dass am Samstag ein Konzert von Element of Crime in der Magdeburger Festung Mark stattfindet. Karten konnte ich direkt hier in Salzwedel erwerben und so werden wir uns am Wochenende wieder einmal in der Landeshaupstadt aufhalten …

Zur Einstimmung ein Titel aus 2009

 

 

Immer, wenn ich Pillen nahm und hinterher beim Fahrrad fahren
Am Steintor in die Rillen kam, gezogen für die Straßenbahn
Oder in der Luft die Arme wie
Zur Massenhysteriebekämpfung schwenke und aufs Pflaster fiel
Dachte ich, ich wär‘ am Ziel

Immer da wo du bist bin ich nie
Immer da wo du bist bin ich nie

Immer wenn ich Rauch einsog und mich die gute Laune trog
Und ich im ersten Stock vom Küchenfenster in die Bäume flog
Und dort nach grünen Zweigen greifend
Geistig in die Ferne schweifend zwischen Müllcontainer fiel
Dachte ich, ich wär‘ am Ziel

Immer da wo du bist bin ich nie
Immer da wo du bist bin ich nie

Immer, wenn ich Lieder sang und dazu auf- und niederschwang
An Bändern, die elastisch waren, in Ländern, die fantastisch waren
Zum Lobe einer bess’ren Welt und ohne Geld und ohne
Großen Ehrgeiz, dass der Groschen fiel
Dachte ich, ich wär‘ am Ziel

Immer da wo du bist bin ich nie
Immer da wo du bist bin ich nie
Immer da wo du bist bin ich nie

Musiktipp – Hannes Wittmer

Bild von youtube.com

 

Der Emil hat mich auf den nächsten „Singer-Songwriter“ aufmerksam gemacht. Sein Artikel machte mich neugierig und die Erwartung wurde erfüllt. Hannes Wittmer, früher als „Spaceman Spiff“ unterwegs und Platten veröffentlichend, bietet gute, handgemachte Musik und berührende, nachdenkliche Texte. Eben das, was man so von einem „Singer“ erwartet (mich nervt auch hier der Anglizismus).

Sein Blog, zeigt ihn als sympathischen, nachdenkenden Menschen. Seine neue Platte, noch für dieses Jahr geplant, wird nicht verkauft, sondern kostenlos zum Download bereitstehen. Wittmer auf seinem Blog dazu:

ich habe mich dazu entschlossen, mein nächstes Album zu verschenken. Es wird also weder im Handel, noch bei den gängigen Streaming- und Downloadplattformen zur Verfügung stehen. Zusätzlich möchte ich auch meine Konzerte (soweit möglich) auf Pay-What-You-Want-Basis spielen. Es ist für mich sowas wie eine Radikalkur von der Musikwirtschaft, ihren Mechanismen und Widersprüchen.

In seinem neuesten Beitrag geht er sogar noch weiter:

Ich bin zutiefst besorgt über die Entwicklungen unserer Zeit. Sowohl im Ökologischen (Klimawandel, Plastikberge) als auch im Politischen (europaweiter Rechtsruck, Flüchtlingswellen und der desolate Umgang damit) und Gesellschaftlichen/Sozialen (Arm-Reich-Schere, zunehmende Individualisierung und Entfremdung,  fehlende  Empathie).  Auf der Suche nach den Ursachen stoße ich am Ende immer wieder auf ein Wirtschaftssystem, dass sich einen Scheißdreck um Mensch und Natur schert. Die Gesellschaft, samt ihrer moralischen Normen und Werte, sollte die Basis für die Wirtschaft sein und nicht anders herum. Unsere Wirtschaft hat aber ein Eigenleben angenommen, beeinflusst die Gesellschaft massiv und breitet sich gleichzeitig in sämtliche Lebensbereiche aus. Ökonomische Denkweisen und Zwänge bestimmen mehr und mehr, wie wir uns in unserer Gesellschaft gegenüber Anderen verhalten. Geld (sparen/verdienen) und Wohlstand scheinen am Ende universell tolerierte Rechtfertigungen für ALLES zu sein und wirtschaftliche Bedenken und Interessen stechen somit regelmäßig moralische Fragen aus.

Wichtige Gedanken die Hannes Wittmer da äußert, den eigenen Weg suchend und hoffentlich findend.

Am Ende soll euch einer seiner Titel überzeugen (und es ist bewußt ein anderer als beim Emil um eine Doppelung zu vermeiden) …

auf der suche nach wahrheit
wie es wirklich ist
findet man endlich klarheit
bis man sie wieder vergisst

wir fallen in tiefe löcher
und klettern wieder hinauf
und die sonne geht unter
und die sonne geht auf

wir hängen dinge an große glocken
wir pfeifen töne in den wind
und wundern uns am morgen
warum wir noch nicht
angekommen sind

denn woanders ist auch immer
nur ein weiteres hier
und immer viel zu viel die andern
immer viel zu wenig wir

aber nur weils uns nicht gut geht
heißt das nicht es geht uns schlecht
nur weil alle anderen reden
heißt das nicht sie haben recht
wir sind lange schon auf reisen
und kommen immer nur so weit
wie die ideen uns tragen
wie der mangel uns treibt

vowärts ist keine richtung
aber alle rennen mit
das hier ist nicht el dorado
das ist nur ein kleiner schritt

rückwärts ist keine richtung
aber alle schaun zurück
das hier ist nicht gotham city
das ist nur ein kleines stück

und die sonne geht unter
und die sonne geht auf
wir klettern löcher hinunter
und fallen wieder hinauf

Musiktipp – (Thorsten) Willer

Cover der CD (von der Webseite http://www.willer-music.com/)

 

Am kommenden Samstag ist er im Salzwedeler Hanseat – Willer. Als „Singer/Songwriter“ angekündigt weckte das schon mal Interesse. Amüsiert las ich bei Eintritt von der „Hutkasse“. Neugierig geworden stiess ich auf einige Videos bei Youtube. Gleich der Aufmacher seiner neuen CD („Zeitlos“) hatte es mir angetan …

Die Bandbreite Willers imponiert, gefällt. Laut oder leise, nachdenklich oder scheinbar oberflächlich – Willer bringt alles glaubhaft. Die Stimme sanft oder kräftig, an der richtigen Stelle rauh, fast kratzig. Das Ansehen und Anhören der Songs bei Youtube veranlasste mich, direkt beide deutschen „Platten“ Willers zu erwerben. Die aktuelle Scheibe „Zeitlos“ (2017) und das 2014er Album „Wovon sollen Lieder reden“.

Ich freue mich auf den Abend im Hansa – handgemachte Musik mal wieder, intelligente und ansprechende Texte. Die Musikszene Deutschlands ist lebendiger als uns die Medien glauben machen wollen …

Mehr über Thorsten Willer und das neue Album erfahrt ihr auf seiner Webseite.