Musiktipp – (Thorsten) Willer

Cover der CD (von der Webseite http://www.willer-music.com/)

 

Am kommenden Samstag ist er im Salzwedeler Hanseat – Willer. Als „Singer/Songwriter“ angekündigt weckte das schon mal Interesse. Amüsiert las ich bei Eintritt von der „Hutkasse“. Neugierig geworden stiess ich auf einige Videos bei Youtube. Gleich der Aufmacher seiner neuen CD („Zeitlos“) hatte es mir angetan …

Die Bandbreite Willers imponiert, gefällt. Laut oder leise, nachdenklich oder scheinbar oberflächlich – Willer bringt alles glaubhaft. Die Stimme sanft oder kräftig, an der richtigen Stelle rauh, fast kratzig. Das Ansehen und Anhören der Songs bei Youtube veranlasste mich, direkt beide deutschen „Platten“ Willers zu erwerben. Die aktuelle Scheibe „Zeitlos“ (2017) und das 2014er Album „Wovon sollen Lieder reden“.

Ich freue mich auf den Abend im Hansa – handgemachte Musik mal wieder, intelligente und ansprechende Texte. Die Musikszene Deutschlands ist lebendiger als uns die Medien glauben machen wollen …

Mehr über Thorsten Willer und das neue Album erfahrt ihr auf seiner Webseite.

Stalinismusdebatte – dieses Mal Wolkogonow

Während des Urlaubs nutzte ich die Zeit um die „politischen Porträts“ – so der Autor – von Lenin, Stalin und Trotzki zu lesen. Ich las nicht in der Reihenfolge des Erscheinens der einzelnen Bände, sondern begann mit dem Buch über Lenin. Diesen Band schrieb Wolkogonow als letzten. Am Ende war es die richtige Entscheidung, denn im Leninband war die Metamorphose Wolkogonows vom Politoffizier und Kommunisten, Lehrer an der Politakademie der Sowjetarmee und Generaloberst zum glühenden Verehrer Gorbatschows und Verfechter von „Glasnost“ und „Perestroika“ abgeschlossen. Wolkogonow war nunmehr nicht nur Antistalinist, sondern ebenso Antileninist, Antikommunist, Reformist. Der Genosse Generaloberst outete sich als glühender Verehrer Kautskys, Bersteins, Plechanow und Axelrods und schwärmte vom „erfolgreichen Weg“ der westeuropäischen Sozialdemokratie.

Diese Ausführungen halfen mir, den Stalinband mit dem erforderlichen Abstand zu lesen. Es zeigte sich am Ende, dass die Ausführungen Kurt Gossweilers nur allzu wahr sind:

Natürlich gibt es dafür viele Gründe. Ein ganz wichtiger ist nach meiner Überzeugung der: der Revisionismus trat lange Zeit stets als Anti-Revisionismus, als Verteidigung des Leninismus gegen dessen angebliche Verfälschung durch Stalin auf. Erst als sein Zerstörungswerk so gut wie vollendet war, legte Gorbatschow die Maske des Kommunisten, des Leninisten ab und bekannte sich öffentlich als Sympathisant der Sozialdemokratie, also als Antikommunist und Anti-Leninist. Der Anti-Stalinismus war aber von Anfang an seinem Wesenskern nach – Antileninismus, Antimarxismus, Antikommunismus.

K. Gossweiler, in „Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung“ siehe Downloads/Gossweiler/Stalinismusdebatte 1

Ich will hier nur einige Belege für diesen direkten Angriff auf Lenin anführen, womit sich die tatsächliche Ausrichtung des Antistalinismus Wolkogonow offenbart:

In seinem Buch Stalin  verteidigte er noch Lenin gegen den angeblich machtbesessenen Tyrannen und das – so wortwörtlich – „Monster” Stalin (S. 114). Lenin dagegen war der alles überragende Stratege und Theoretiker – so Wolkogonow damals. Er schrieb z.B.:
„Lenin stand in intellektueller Hinsicht so hoch über seinen Mitkämpfern, dass seine Gedanken ihr Bewusstsein oft nicht erreichten.” (S. 128) (1)

Im Leninband dann ganz andere Töne: Lenin war in jungen Jahren ein reicher, adeliger Müßiggänger und Bohemien (S. 54), der sich den Luxus vielfältiger Europareisen leisten konnte (S. 52), seine angenehmen Exiljahre vor allem mit Faulenzerei und Sommerurlauben in der Schweiz und auf Capri verbrachte und als über Vierzigjähriger „immer noch auf Kosten der Familie” lebte (S 56).

Lenin sei Repräsentant einer „grausamen Philosophie” (S. 311), eines „zynischen und vulgären Pragmatismus” (S.466) gewesen, mit den Augen eines „bösen Wolfes” (S. 23); er war ein Vaterlandsverräter (S. 23), wegen seines Radikalismus selbst von den Bolschewiki gefürchtet (S. 16), der im Oktober 1917 „die Massen fanatisch zu einem Aufstand gegen die Provisorische Regierung trieb”. (S. 16). Dieser einst von Wolkogonow als intellektuelles Genie gepriesene Lenin „verflachte” den Marxismus „zu einem „Katechismus des Klassenkampfs”. (S. 46).

Sah Wolkonow noch wenige Jahre zuvor Stalin als „Abweichler” vom Pfad der Leninschen Tugend, so ist für ihn nur wenig später Lenin selbst der Urheber allen Übels, aller erdichteten und wahren Fehler und Verbrechen, die zum Schreckgespenst eines angeblichen „Stalinismus” aufgeblasen wurden und werden: „Lenin lehrte Stalin Erbarmungslosigkeit, Unnachgiebigkeit, List, Zielstrebigkeit und die Fähigkeit mit den Parteikadern zusammenzuarbeiten. Stalin erwies sich als gelehriger Schüler.” (S. 287)

Wolkogonow, immerhin Dozent für Geschichte an der Lenin-Akademie, agiert in seinen Büchern auch nicht als Historiker. Obwohl er nach 1990 einer der ersten war, der angeblich Zugang zu den verschlossenen Archiven von Militär, Partei und Staat hatte (abgesehen davon, dass er wohl bereits vorher aufgrund seiner militärischen und poltischen Funktionen Studien in diesen Archiven betreiben durfte), bezieht er doch wenige historische Dokumente in seine Bücher ein. Meist persönliche Briefe, Einzelschicksale, Meinungen, keine Daten, Zahlen und Fakten. Wolkogonow selbst bezeichnet seine Bücher auch nicht als Biographien, stattdessen als „politische Porträts“. Dieser Trick gestattet es ihm an zahlreichen Stellen zur Prosa, statt gesicherten Fakten überzugehen. Besonders um seiner Meinung nach existierende Charaktereigenschaften seiner „Haupthelden“ aufzuzeigen: die „Verschlagenheit“ Lenins, die „Bosheit“ Stalins“ usw. können nur mit Hilfe dieses Stilmittels herausgearbeitet werden.

Wolkogonow verfolgt den Zeitgeist und beweist, das mit Hilfe des Antistalinismus nicht nur Stalin und in Folge dessen auch Lenin diskreditiert werden soll. Ziel ist es vielmehr die kommunistische Bewegung, den Roten Oktober und die Sowjetunion anzugreifen, als Fehltritt der Geschichte zu kennzeichnen. Am Ende jede soziale Revolution zu diskreditieren …

Android File Transfer

Es ärgert mich immer wieder: regelmäßig treten beim Filetransfer zwischen Android und meinem Linux Probleme auf. Entweder wird das Galaxy Note 8 gar nicht erkannt, kein Zugriff auf die Speichermedien ist möglich oder Nautilus meldet einen „unbekannten Fehler“. Da ich zum fotografieren inzwischen ausschließlich das Note benutze, ist die Möglichkeit des Filetransfers zwar nicht lebenswichtig aber doch eine recht wichtige Funktion für mich geworden.

Gestern wurde ich auf eine kleine aber feine App aufmerksam: Android File Transfer for Linux. Ursprünglich für die Mitbewerber mit dem angebissenen Apfel entwickelt, wurde sie nunmehr auf Qt portiert und steht nunmehr auch für KDE zur Verfügung. Die aufgeführten Eigenschaften klangen überzeugend:

  • einfache Benutzeroberfläche
  • Drag&Drop vom Linux zum Telefon
  • Batch-Download (Telefon zum Linux)
  • Fortschritsanzeige der Übertragung
  • keine Dateigrößenbeschränkungen

Für Ubuntu-Systeme (also auch für mein KDE Neon) existiert eine ppa die auf gewohnten Wege die Einbindung der Quelle ermöglicht.

sudo add-apt-repository ppa: samoilov-lex / aftl-stabil

Danach Update der Softwarequellen und Installation des Programms:

sudo apt-get update && sudo apt install android-file-transfer

Das kleine aber feine Programm findet sich danach im KDE-Menu unter dem Punkt Dienstprogramme.

Nach dem Start öffnet sich die versprochene übersichtliche Benutzeroberfläche.

Mit einem Rechtsklick auf das/die Verzeichnis/se oder Datei(en) können die gewählten Inhalte auf den eigenen Rechner heruntergeladen werden. Funktionierte auf Anhieb und problemlos. Es gilt nur zu beachten, das der Androide nicht bereits im System gemountet ist (z.B. in Nautilus)