Tag der Befreiung – 8.Mai 2017

Heute vor 72 Jahren kapitulierte die Wehrmacht in Berlin-Karlshorst. In der DDR wurde dieser Tag als „Tag der Befreiung“ begangen. Befreiung vom Faschismus, vor allem durch die Rote Armee, die Sowjetunion. Wie hoch der Blutzoll der Armee, der Völker der Sowjetunion war, der bis zu diesem Tag entrichtet wurde, ist weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Laut einer Umfrage von ICM Research 2015, nannten mehr als 50% der Befragten die USA als Befreier. Lediglich 17% nannten die Sowjetunion. Das 27 Millionen Sowjetbürger in diesem Krieg ums Leben kamen – davon „nur“ 11,4 Millionen Soldaten, aber mehr als 15 Millionen Zivilisten – ist scheinbar in Vergessenheit geraten. Welche Verbrechen die SS, aber auch Wehrmacht und Wirtschaft begingen – nicht nur in der Sowjetunion, auch in Polen, Tschechien, Jugoslawien, Griechenland – ist den Menschen hier nicht bewusst oder wird verdrängt. Stattdessen steht die Erinnerung an deutsche Opfer, z.B. der Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors oder der deutschen Kriegsgefangenen, im Vordergrund.

Vielleicht habe ich es nur übersehen, aber das mediale Echo und die Stellungnahmen von Politikern sind (auch) am heutigen Tag kaum zu hören oder zu lesen. Man könnte meinen, es handele sich nicht um einen Feiertag, nicht um den „Tag der Befreiung“.

Einen interessanten Beitrag fand ich auf rubikon.news. Andreas von Westphalen liefert einen sehr informativen Artikel zum Thema, mit Fakten, Zitaten und der Erläuterung von Zusammenhängen. Aus diesem Artikel stammt das folgende Gedicht eines deutschen Soldaten. Willy-Peter Reese, der als „vermisst“ registriert, diesen mörderischen Krieg nicht überlebend, irgendwo als namenloses Opfer verscharrt. Er beschreibt sehr deutlich den Anteil wohl der meisten Deutschen an den Verbrechen des Faschismus, nicht nur in der Sowjetunion …

Wir sind der Krieg. Weil wir Soldaten sind.
Ich habe alle Städte verbrannt
Alle Frauen gewürgt
Alle Kinder geschlagen
Allen Raub genommen vom Land.
Ich habe Millionen Feinde erschossen,
alle Felder vernichtet, die Dome zerstört,
die Seelen der Menschen verheert,
aller Mütter Blut und Tränen vergossen.

Ich habe es getan. – Ich tat
Nichts. Aber ich war Soldat.

Ich halte es für angebracht Dank zu sagen. Das Beitragsbild stammt aus dem Jahr 2015 und ist der „Jungen Welt“ entnommen.

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