Freimaurer in Salzwedel

Freimaurer-Symbole
Quelle: http://www.freimaurer-in-60-minuten.de/

Ja tatsächlich – der geheimnisumwitterte und elitäre Klub hatte auch Ableger in Salzwedel. Ich möchte mich nun nicht mit den Inhalten, Zielen und der Geschichte der Freimaurer auseinandersetzten. Der interessierte Leser findet dazu sicherlich vielfältiges Material. Interessant allemal, dass es auch heute noch Freimaurer in Deutschland gibt, die allerdings inzwischen recht offen mit Zielen und Grundpositionen ihrer Vereinigung umgehen.

Seit Mitte des 18. bis in das 19. Jahrhundert hinein haben die Freimaurer eine weitaus wichtigere Rolle in Europa und eben auch in Preußen gespielt. Das hing ursächlich damit zusammen, dass König Friedrich II. selbst Freimaurer war und die Verbreitung der als Logen bezeichneten Vereinigungen wohlwollend bis fördernd gegenüber stand.

Selbst im Städtchen Salzwedel wurde 1782 eine Loge gegründet. Obwohl die 1713 vereinigte Stadt (Alt- und Neustadt wurden auf Befehl Friedrich Wilhelm I. im angegebenen Jahr „zwangsverheiratet“) die Bevölkerungsverluste durch den 30jährigen Krieg noch nicht kompensiert hatte ( vor dem Krieg etwa 6.800 Einwohner. 1790 waren es 4.180), war sie zur damaligen Zeit nicht ganz so unbedeutend, wie uns diese Zahl heute Glauben macht. Neben den Theologen (um 1800 8), den 5 Gymnasiallehrern, je 2 Ärzten und Apothekern waren die Beamten der hier ansässigen Ämter (Zoll, Akzise und Post) die einzigen akademisch gebildeten Salzwedeler jener Zeit. Hinzu kamen – wenn auch nicht akademisch gebildet – die Offiziere des hier in Garnison liegenden preußischen Kürassier-Regimentes.

Einer dieser Offiziere, der Leutnant Karl Ludwig Heinrich von Ingersleben war es dann auch der gemeinsam mit 6 weiteren Mitgliedern der Stendaler Loge „Zur goldenen Krone“ im März 1782 die Konstituierung einer Loge in Salzwedel beantragten. Die Details des Vorganges sind im unten angeführten Buch nachlesbar, deshalb werde ich dieselben erst einmal vernachlässigen. Trotz einiger Bedenken der Großen Landesloge hinsichtlich der Zusammensetzung der Salzwedeler Freimaurer – ein bedeutender Anteil der Gründungsmitglieder waren Offiziere bzw. Beamte des Kürassier-Regimentes wurde dem Anliegen schließlich zugestimmt und am 30. August 1782 erfolgte die feierliche Einweihung der Loge „Zur goldenen Harfe“ in Salzwedel.

Gründungsmitglieder waren:

  • Karl Ludwig von Ingersleben, Leutnant im Kürassier-Regiment 7
  • August Christian Friedrich Bonifatius Finger, Auditeur (Justizbeamter) im Kürassier-Regiment 7
  • Christian Friedrich Frese sen., Generalquartiermeister im Kürassier-Regiment 7
  • Johann Nikolaus Friedrich Frese jun., Apotheker in Salzwedel
  • Julius Christoph Heubel, Stallmeister im Kürassier-Regiment 7
  • August Friedrich Wilhelm von Meding, Leutnant im Kürassier-Regiment 7
  • Friedrich Wilhelm Wedde, Kaufmann Salzwedel

Das Dilemma ist offensichtlich – 5 der sieben Logenmitglieder waren mit dem Kürassier-Regiment verbunden. Nahm die Loge zunächst eine durchaus positive Entwicklung – bis 1786 wurden 14 weitere Mitglieder aufgenommen – kam die Entwicklung bald ins Stocken. Die Mehrheit der neu aufgenommenen Logenmitglieder waren wiederum Offiziere und Militärbeamte. Der Vorsteher, oder „Meister vom Stuhle“, Karl Heinrich Ludwig von Ingersleben quittierte 1786 als Rittmeister den Dienst (wohl wegen mangelnder Beförderungschancen) und wechselte in den Staatsdienst. Seine beachtliche Karriere begann er 1787 als Landrat der Kreise Tangermünde und Arneburg. Verbunden war das mit dem Verlassen Salzwedels. Die Loge schrumpfte weiter durch Tod bzw. Wegzug weiterer Mitglieder. Als das Kürassier-Regiment 1787 bei der Besetzung Hollands eingesetzt wurde, war das der Todesstoss für die Loge „Zur goldenen Harfe“ zu Salzwedel. Im März 1788 wurde sie aufgelöst …

Einen weiteren Versuch zur Konstituierung einer Freimaurerloge in Salzwedel gab 1801. Dazu aber später …

 

Quelle: Karlheinz Gerlach „Die Freimaurer im Alten Preußen 1738-1806 – Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein“ ISBN-10: 3-7065-4037-1

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