Freimaurer in Salzwedel Teil II

Vor wenigen Monaten habe ich hier im Blog die kurze Geschichte der Freimaurerloge „Zur goldenen Harfe“ zu Salzwedel behandelt. Sie wurde 1782 gegründet und löste sich – heute würde man sagen aus „mangelndem Interesse“- 1788 wieder auf. Trotz dieses kläglichen Endes gab es einige Jahre später, genauer 1801, erneut einen Versuch, im preußischen Städtchen Salzwedel eine Freimaurerloge zu gründen.

Dieses Mal war es kein Offizier des in Salzwedel liegenden preußischen Kürassier-Regimentes der die Formierung der Loge vorantrieb, sondern der wohl (ehemals) mecklenburgisch-strelitzsche Kammerherr Johann Karl Freiherr von Ledebur. Der Herr Baron schlug einigen ehemaligen Mitgliedern der 1788 eingegangenen Loge vor, bei der „Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln“ um die Erlaubnis zu bitten, eine neue Loge errichten zu dürfen. Die große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ war in Preußen die oberste Instanz, sozusagen der Dachverband aller preußischen Freimaurer. Jedenfalls zeigten sich die Herren dem gemachten Vorschlag nicht abgeneigt.

Zu den Initiatoren gehörten neben unserem Baron:

  • Christian Friedrich Heinrich Schlieckmann, Justizaktuar in Salzwedel
  • Julius Christoph Heubel, Stallmeister beim Salzwedeler Kürassier-Regiment
  • Johann Friedrich Wedde, Kaufmann in Salzwedel
  • Johann Friedrich Nikolaus Frese, Apotheker
  • Eberhard Freiherr von Schwartzenau, Offizier (1804 in den Ranglisten als Major geführt) und
  • Karl Ludwig von Cunow, ebenfalls Offizier (ebenfalls 1804 Major)

Zu diesen sieben Initiatoren stießen zur Gründung sieben weitere in oder bei Salzwedel lebende Freimaurer: der Postmeister und Senator J.W. Riebeck (Lüchow), und der Lüchower Bürgermeister Christian Ludwig Krebs, der Akziseinspektor Karl Friedrich Jänisch und der Kaufmann August Wedde (beide aus Salzwedel), der hannöversche Forstmeister Ernst Friedrich Ch. von Sebbisch, der Offizier (Kapitän) der hannöverschen Armee Johann Siegfried von Schultz und der „Kandidat der Theologie“ Justus Wilhelm Hahn, Hauslehrer der Familie von Ledebur.

Da Salzwedel nach der preußischen Katatstrophe nicht mehr zu Preußen, sondern zum von Napoleon neu geschaffenen Königreich Westphalen gehörte, verlieren sich die Spuren der zweiten Salzwedeler Freimaurerloge. Am Ende bleiben einige Punkte erwähnenswert:

  • offizielle Gründung am 03.06.1802 (Stiftungsdatum)
  • Name: „Johannes zum Wohle der Menschheit“
  • „Meister vom Stuhl“ (Vorsitzender) Freiherr von Ledebur

Die neue Loge schien um einiges erfolgreicher gewesen zu sein als ihre Vorgängerin. Davon zeugt u.a. die Gründung einer „delegierten altschottischen Loge“ (Schottland und England gelten als Mutterländer der Freimaurerei) am 21.11.1804. Zum Obermeister wurde wiederum unser Baron von Ledebur ernannt, die Loge trug den Namen „Albertine zum erhabenen Muster“ nach der Frau des frisch ernannten Obermeisters.

Obwohl eine der kleinsten preußischen Logen, genoss „Johannes zum Wohle der Menschheit“ einen so guten Ruf, dass drei Offiziere der französischen Armee – seit 1803 im hannöverschen – um Aufnahme. Dieses wurde zwar abgelehnt, offiziell weil man kein „rektifiziertes“ (berichtigtes, richtiges) französisches Ritual besaß, zeigt aber doch die Ausstrahlung der Salzwedeler Freimaurer auf das Umland. Obwohl kein Mitglied, besuchten die Herren Offiziere einige Male „Johannes zum Wohle der Menschheit“ und äußerten sich anerkennend zur Arbeitsweise.

„Johannes zum Wohle der Menschheit“ hatte zwischen 1802 und 1806 33 Vollmitglieder:

  • 1802 waren 17
  • 1803 20
  • 1804 25 und
  • 1806 29

War der Anteil der adligen Mitglieder ähnlich hoch wie bei der Vorgängerin (etwa ein Drittel), stellten dieses Mal die städtischen und preußischen Beamten die Mehrzahl der Mitglieder. Auffällig ist wiederum, dass die städtische Oberschicht, nicht beitraten. Weder finden wir Mitglieder des Magistrats der Stadt, noch einen der 8 Lehrer der städtischen Schule oder einen der zwei Ärzte als Mitglieder in einer der beiden Logen.

Wie bereits erwähnt, verliert sich die Spur der Salzwedeler Freimaurer nach 1806. Es wird lediglich erwähnt, dass sie 1806 ihre Tätigkeit nicht einstellten …

Quelle: Karlheinz Gerlach “Die Freimaurer im Alten Preußen 1738-1806 – Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein” ISBN-10: 3-7065-4037-1

In einem weiteren Teil werde ich ein wenig auf Tätigkeiten, Ziele und statistisches (soweit noch nicht geschehen) eingehen …

2 Antworten auf „Freimaurer in Salzwedel Teil II“

    1. Hallo Ronald,

      ich hatte es irgendwo schon gelesen, dass die Loge erst durch die Nazis aufgelöst wurde. Vielen Dank für den interessanten Link zur Mitgliederliste 1919.
      Interessant auch, dass es heute in Gardelegen eine Loge gibt …

      Gruß

Kommentar verfassen