Geschichte des Kürassier-Regimentes 7 – Teil I

In den vergangenen Wochen habe ich mich wieder ein wenig mit den „Salzwedeler Kürassieren“ beschäftigt und damit begonnen eine etwas umfangreichere „Dokumentation“ zu erstellen. Die ersten Ergebnisse dieser Recherchen findet ihr nun hier (und als PDF zum Download unter Geschichte Salzwedel).

Teil I: Von der Aufstellung bis 1717

1. Aufstellung und Organisation

Das von mir als„Salzwedeler Kürassiere“ bezeichnete Truppenteil beginnt seine Geschichte nicht im Jahr 1717/18, als die Stationierung desselben in der Altmark begann, sondern seine Aufstellung erfolgte bereits 1688/89 (nach anderen Quellen 1689/90. Dem widerspricht die Tatsache,das das Regiment bereits 1689 im Einsatz war).

Auf Befehl des damaligen Kurfürsten Friedrich III., als „König in Preußen“ ab 1701 Friedrich I., erfolgte im Winter 1688/89 die Aufstellung eines Dragoner-Regiments „durch den Schloßhauptmann, Cammerherrn undObristen Friedrich Wilhelm Freiherrn von Wittenhorst zu Sonsfeld“in (Ost)Preußen. Den damaligen Gepflogenheiten folgend, erhielt dasRegiment keine Nummer, sondern wurde unter dem Namen des jeweiligen Chefs geführt. Da der Name unseres Freiherrn wenig geeignet war,denselben immer in voller Länge zu nennen, hatten wir es nach Aufstellung mit dem Dragoner-Regiment „von Sonsfeld“ zu tun.Ostpreußen wurde zum Ort der Aufstellung gewählt, da es das„Vaterland vortrefflicher Pferde“ war, d.h. dass die Aufstellung in einer Gegend stattfand, die berühmt für ihre Pferdezucht war.

 

Über unseren Freiherrn ist nicht sonderlich viel zu finden, einige biographischeDaten schon:

  • geboren 1645 in Westfalen trat er

  • 1688 als Oberst in preußische Dienste und warb unser Regiment dessen Chef er in Folge war

  • 1692 Brigadier (ein Dienstgrad den es wenig später in der preußischen Armee nicht mehr gab)

  • 1695 Generalmajor, 1704 schließlich Generalleutnant

  • er starb 1711

Im Gegensatz zu den Aussagen der Wikipedia, war er niemals „Offizier unter Friedrich Wilhelm I.“, da er bereits 2 Jahre vor dessen Thronbesteigung starb.

 

Das Regiment hatte bei Aufstellung 3 Kompanien und wurde durch zwei „Perbandtsche Freikompanien“ auf 5 verstärkt (wahrscheinlich handelt es sich um Kompanien des brandenburgischen Obersts Gottfried von Perbandt). 1691 um 3 weitere Kompanien verstärkt, musste es im selben Jahr eine Kompanie zur Aufstellung eines weiteren Dragonerregimentes abgeben,so dass sein Bestand nunmehr 7 Kompanien umfasste. Aus dieser Zeit finden wir beim „Königlichen Staats-Archivar und Geheimen Archivrath“ George Adalbert von Mülverstedt auch die erste Rangliste (im 19. „Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel“ von 1879)unseres Dragoner-Regimentes aus dem Jahr 1694. Traditionell werden in solchen Ranglisten lediglich die Offiziere in den entsprechenden Dienststellungen genannt:

 

1. Compagnie

Chef: BrigadierFriedrich Wilhelm von Wittenhorst zu Sonsfeld

Lieutnant: HansCaspar von Cosel

2. Compagnie

Chef: ObristlieutenantWilhelm Heinrich Danckelmann

Lieutenant: Christoph Ludwig von Caphengst

Fähnrich: Gerd Jacob Danckelmann

3. Compagnie

Chef: Major GeorgeFriedrich von der Albe

Lieutenant: Jobst deSt. Sauveur de Montbell

Fähnrich: Jacob Friedrich von Justin

4. Compagnie

Chef: Capitain Christoph Joachim von Brummsee

Lieutenant: R.Chambeud de Charrier

Fähnrich: GotthardKraft van Mylendonck

5. Compagnie

Chef: Capitain Friedrich Wilhelm von Bodelschwingh

Fähnrich: Friedrich Wilhelm von Bawyr

6. Compagnie

Chef: CapitainFriedrich Egel

Lieutenant: MartinGrau

Fähnrich: Joachim Friedrich von Köppen

7. Compagnie

Chef: Capitain Otto Friedrich Freiherr von Gent

Lieutenant: Alexander Häseler von Hüttenphül

 

An dieser Stelle seien einige Bemerkungen gestattet.

  1. Die „bunte“ Zusammensetzung des Offizierskorps ist auffällig. Nach Mülverstedt finden wir Westfalen, Preußen, Franzosen und „Ausländer“

  2. Noch auffälliger ist, dass durchaus nicht alle Offiziere adlig sind. Wir finden immerhin 4 (von 18) Offizieren ohne das berühmte „von“ im Namen. Interessant auch, dass einige davon später nobilitiert, d.h. geadelt zu worden scheinen.

  3. Eine einheitliche Struktur ist nicht erkennbar. In 4 der 7 Kompanien gibt es 3 Offiziere, in 3en dagegen nur 2.

Von den hier aufgeführten Offizieren erreichten später 4 den Generalsrang in der preußischen Armee:

  1. wie bereits aufgeführt der erste Chef des Regiments, von Wittenhorst zu Sonsfeld, starb 1711 als Generalleutnant

  2. George Friedrich von der Albe. Nachfolger von Nummer 1 als Chef des Regiments. 1711 zum Chef ernannt wurde er 1713 Generalmajor

  3. Hans Caspar von Cosel, war von 1727 bis 1737 Chef des Dragonerregiments 6, zuletzt Generalleutnant.

  4. Friedrich Egel, inzwischen nobilitiert (Jahr nicht bekannt) war von 1723 bis 1734 Chef des Kürassier-Regimentes 8, starb als Generalleutnant.

Zurück zurEntwicklung des Regiments selbst. Die Anzahl der Kompanien schwanktenoch einige Male:

  • 1697 wurde das Regiment auf 3 Kompanien gekürzt

  • 1699 wieder auf 4 gesetzt

  • 1703 und 1705 wurden jeweils 2 weitere Kompanien geworben, so dass am Ende 8 Kompanien im Bestand waren

Die Kompanien handelten selbst nicht als taktische Einheit, sondern wurden zu Eskadronen oder Schwadronen zusammengefasst, 2 Kompanien bildeten eine Eskadron. Ab 1705 bestand unser Regiment also aus 4 Eskadronen,oder – in der Sprache der Zeit – „Eskadrons“.

2. Einsätze des Regiments 1689 bis 1717

Bereits 1689 kam das Regiment zum Einsatz. Im Bestand eines brandenburgischen Kontingents nahm es am pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich teil. U. a.war es an der Belagerung Bonns 1689 beteiligt, kämpfte 1690 in denSpanischen Niederlanden (heute Belgien), stand 1692 bei Brüssel, und war 1694 an der Belagerung der Stadt Huy beteiligt. Hier ist lt.Mülverstedt in den Akten der „Geheimen Kriegs-Canzlei zu Berlin“vermerkt, dass „Obrist von Sonsfeld durch eine Flintenkugel eine Konstitution der Brust“ erhalten habe. Näheres über Verwundungen oder gar gefallene Soldaten des Regimentes erfährt man natürlich nicht.

1695 beteiligten sich unsere Dragoner an der Belagerung von Namur und es wird erwähnt, dass bei einem Reitergefecht bei Honnef (heute Bad Honnef) „dem Obristlieutenant Danckelmann und Major von Brummsee die Pferde unter dem Leibe erschossen, beide blessiert und sodann gefangen genommen worden seien.“.

1697 stand unser Regiment in Jülich und Cleve um diese brandenburgischen Landesteile vor marodierenden französischen Truppen zu schützen.

 

Nach dem Frieden von Rijswik 1697 wurde es – wie fast alle stehenden Regimenter des brandenburgischen Heeres – aus finanziellen Gründen deutlich reduziert (von 7 auf 3 Kompanien), bereits 1699 wieder auf 4 verstärkt

Die Teilnahme brandenburgischer Kontingente am Spanischen Erbfolgekrieg (1701 –1714) war die Bedingung, die Kaiser Leopold an die Anerkennung der Krönung des Kurfürsten Friedrich III. zum König in Preußen gesetzt hatte. Der nunmehrige König Friedrich I. erfüllte dieseBedingung nach erfolgter Krönung 1701 und so finden wir die Sonsfeld-Dragoner auch auf den Schlachtfeldern dieses Krieges:

1704 13. August,(zweite) Schlacht von Höchstädt. Das Regiment erobert 2 silberne Pauken, die es nunmehr ständig führt

1705 16. August, Schlacht von Cassano unter Prinz Eugen von Savoyen

1706 7. September, Schlacht von Turin

1707 26. Juli bis12. August, Belagerung von Toulon

1708 11. Juli,Schlacht von Oudenaarde (Belgien)
22. Oktober, Eroberung vonLille (seit Sommer Belagerung)

1709 27. Juni bis5. September, Belagerung von Dornick

11. September,Schlacht von Malpaquet

1710 – 1712 „bei verschiedenen Festungsbelagerungen“ schreiben die Quellen

 

Am 9. Mai 1711 starb der Chef des Regimentes und der bisherige Kommandeur Oberst George Friedrich von der Albe bekam es verliehen.

 

Das Jahr 1713brachte für Preußen einen neuen König: nach dem Tod Friedrich I.bestieg sein Sohn als Friedrich Wilhelm I. den Thron, der als„Soldatenkönig“ in die Geschichte einging.

 

Unmittelbar nach dem Ende des einen begann Preußen den nächsten Krieg ein: 1715 trat Preußen in die Endphase des Dritten Nordischen Krieges auf Seiten der antischwedischen Allianz ein. Für diese Teilnahme wurde ihm der südlich der Peene gelegene Teil Vorpommerns zugesagt. Bereits 1713 hatte Preußen die Stadt Stettin besetzt.

Im Zuge des sogenannten Pommernfeldzuges nahm das jetzige Dragonerregiment von der Albe mit jeweils 2 Eskadronen an den Belagerungen Stralsunds(1715) und Wismars (1715/1716) teil. Der Chef des Regiments kommandierte die an der Belagerung Wismars beteiligten preußischen Truppen (2 Infanteriebataillone und eben die 2 Eskadrons seines Regimentes).

 

Aus eben diesem Jahr1717 liegt mir wiederum eine Rangliste vor:

Chef Generalmajor George Friedrich von der Albe

Obrist Christoph Joachim von Brumsee

Obrist Friedrich vonEgel

Obristlieutenant Hans Caspar von Cosel

Obristlieutenant Otto Friedrich von Sonsfeld

Major Christoph Ulrich von Blankenburg

Capitain Caspar Friedrich von Gaudecker

Capitain Johann George von Voß

Capitain Joachim dela Bergerie

Capitain Friedrich Andreas von Kappen

Capitain Friedrich Alexander von Röhl

Lieutenant Maximilian Heinrich von Cortenbach

Lieutenant Franz Korzfleisch

Lieutenant Johann von Mirbach

Lieutenant Johann Friedrich von der Albe

Fähnrich Wolf Friedrich von Schlichting

Fähnrich Dietrichvon Romberg

Fähnrich Melchior Erdmann von Knobloch

 

Wir finden neben den beiden bereits genannten 2 weitere Offiziere( Cosel und der inzwischen nobilitierte Egel), die später den Generalsrang erreichten:

  • Otto Friedrich vonWittenhorst zu Sonsfeld , 1725 bis 1742 Chef des Dragonerregiments 2
    wurde 1728 Generalmajor und 1739 Generalleutnant, 1742 ausgeschieden

  • Alexander von Röhl, 1742 bis 1745 Chef des Dragonerregiments 7, gefallen bei Meissen

Interessant außerdemder Leutnant Franz Korzfleisch, der 1731 nobilitiert wurde und alsOberst und Kommandeur des Kürassier-Regimentes 8 ebenfalls beiMeissen fiel.

 

1717 wurden unsereDragoner in die Altmark verlegt und hier beginnt die Verbindung derStadt Salzwedel mit der Regimentsgeschichte.

 

Quellen:

Zur Militairgeschichte der Altmark im vorigen Jahrhundert“ G. A. vonMülverstedt, in „Neunzehnter Jahresbericht des AltmärkischenVereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel“,1879

Geschichte der Königl. Preußischen Kürassiere und Dragoner 1619 – 1870“, „Mit Benutzung amtlicher Quellen bearbeitet von Alt, Premier-Lieutenant imSee-Bataillon“, 1870

 

 

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