OwnCloud -Performance und Konflikte

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Beim Stöbern durch diverse Foren stosse ich immer wieder auf sehr konträr geführte Diskussionen zum Thema ownCloud. Neben relativ sinnfreien Meinungen nach dem Motto „Warum muss ich erst einen Server installieren, dass muss doch anders gehen!“, wird immer wieder die mangelnde Performance beklagt. Daneben tauchen auch Beschreibungen tatsächlicher Problem auf, die mit dem Betrieb der eigenen Wolke verbunden sind. Ich will diese Diskussionen zum Anlass nehmen, um einmal eine Lanze für ownCloud zu brechen. Natürlich kann ich das nur aus meiner Sicht heraus tun: meine Umgebung und mein Anwendungsgebiet kann durchaus von den Anforderungen anderer Nutzer abweichen …

1. Server und Netzwerk

Bei mir läuft ownCloud auf einer Diskstation von Synology mit der derzeit aktuellen „Firmware“ DSM 4.2. Es handelt sich um eine Diskstation 211+, die über einen 1,6 GHz-ARM-Prozessor und 512 MB RAM verfügt. Verwendete ich lange Zeit das auf die DS angepasste Installationspaket von Eric Gilian, so habe ich die aktuelle Version 5 aus den Quellen von ownCloud installiert. Das hattr einen ganz einfachen Grund: Eric braucht verständlicherweise immer ein paar Tage, um aus den Quellen das DSM-Package zu erstellen. Auf Grund der angekündigten Features für ownCloud 5 wollte ich aber dieses mal nicht „so lange“ warten. Vergangenen Sonntag hat Eric das Package nun übrigens bereit gestellt und ich habe seine Version als Quelle wieder eingebunden und aktiviert … Zuverlässig liefert Eric die aktuellen Releases ca. 1 Woche nach Erscheinen.

Die DS ist über ihren 1GBit-Port im Netz eingebunden. Als Router dient eine Fritz!Box 7390 die ebenfalls über 1GBit an ihren Ethernet-Ports verfügt. Internetzugang per DSL 16000 laut Vertrag, real liegen zwischen 11 und 12,5 MBit/s im Download am Anschluss, der Uploadwert liegt bei 1,1 MBit/s. Zugriff von außerhalb des LAN wird über DynDNS und den VPN-Server der Diskstation realisiert, an der FRitz!Box wird lediglich der entsprechende Port weitergeleitet.

2. Einsatz und Clients

Mit Hilfe „meiner Wolke“ halte ich im Moment Daten auf 4 PC (3x Linux, 1x Windows 7) und 2 Android-Geräten synchron. Neben Kontakten und Kalenderdaten sind das in erster Linie PDF- und LibreOffice-Dateien unterschiedlicher Größe. Im Einsatz ist auf den PC der Client 1.2.1, auf den Androiden läuft die App in der Version 1.3.22. Insgesamt hat das im Moment einen Umfang von etwa 900 MB erreicht.

Nicht von Interesse ist für mich die Verwaltung von Musikdateien und Fotos. Für diese Zwecke nutze ich die Möglichkeiten, die die Diskstation bietet. Da auch hier der Zugriff per Web möglich ist (für die PC) bzw. wunderbar funktionierende Apps für die Versorgung der Androiden mit Bildern und Musik sorgen. Diese Einsätze sind allerdings ausgesprochen selten …

3. Performance

Die Performance ist im LAN hoch, trotz der nicht gerade erstklassigen Ausstattung der Diskstation 211 +. Die Synchronisation (von der „initialen“ Sync einmal abgesehen) ist in wenigen Sekunden (natürlich abhängig von der Menge der abzugleichenden Daten)  erledigt. Per VPN wird die ganze Sache deutlich langsamer – Hauptproblem hier sicherlich der vorhandene DSL-Anschluss, der im Upload lediglich 1,1 MBit/s zur Verfügung stellt. Die „tägliche Synchronisation“ (abhängig natürlich von den zu synchronisierenden Datenmengen) läuft trotz dieser „Flaschenhälse“ sehr schnell. Auffällig ist die relativ geringe Performance der Weboberfläche, allerdings ist der Apache auf der Diskstation ja bereits gut ausgelastet um die „eigenen“ Dienste zu bedienen …

4. Probleme

Seit der Version 4.5 und der Client Version 1.2 ist ownCloud deutlich performanter geworden. Trotzdem tritt ein weniger schönes Problem immer wieder auf: es werden Unterschiede in den einzelnen Versionen gespeicherter Dateien erkann und dadurch als „Konfliktdateien“ abgespeichert. Das führte dazu, dass mein ca 900 MB großer Datenbestand auf etwa 1 GB angestiegen war. Die genaue Ursache konnte ich noch nicht ermitteln, vermute aber dass eine zeitgleiche Synchronisation von verschiedenen Endgeräten mit dem gleichen Benutzeraccount die Ursache dafür ist. Im Moment bemühe ich mich darum, solche Situationen zu vermeiden und werde weiter beobachten …

5. Fazit

Owncloud ist auf einem guten Weg. Die Synchronisation der Daten läuft – mit den o.g. Einschränkungen schon recht stabil. Die Synchronisation von Kontakt- und Kalenderdaten über meine KDE-Maschinen und den Androiden funktioniert reibungslos. Bei Android sind allerdings zusätzliche Apps erforderlich, die in der Pro-Version ein wenig (einmalig) Geld kosten. Am Ende ist ownCloud ein hervorragendes Werkzeug für Privatanwender, die Wert darauf legen, ihre Daten nicht aus der Hand zu geben und in Eigenverantwortung zu speichern und zu sichern.

Die Integration ownClouds in die Diskstation von Synology funktioniert – auch und gerade wegen der guten Arbeit von Eric Gilian – sehr gut. Bleibt eigentlich nur die Frage, warum ich nicht die synolgyeigene Cloudstation auf der DS 211+ einsetze? Synology bleibt in bester Tradition vieler Softwareschmieden: auf den „Servern“ wird durch viele Hersteller ein Linuxderivat eingesetzt, clientseitig ist man nicht in der Lage das alternative Betriebssystem zu unterstützen (Synology verspricht seit gut einem Jahr die Entwicklung eines Linux-Clients für ihre Cloud). Das mag an der Vielzahl von Linuxderivaten liegen, die dann auch noch Konfiguration, Paketverwaltung usw. betreffend recht unterschiedlich sind. Für mich trotz allem der Hauptgrund, nicht auf den Dienst meiner Diskstation zurückzugreifen.

3 Antworten auf „OwnCloud -Performance und Konflikte“

  1. der Beitrag gibt mir Rückenwind. Fast in allen Teilaspekten incl. KDE — owncloud entspricht das Konzept meiner Wunschvorstellung, die ich bisher leider aber nur fragmentarisch realisiert habe. Vielen Dank Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,
      es lohnt sich tatsächlich ownCloud zu testen. Gerade die Möglichkeiten der Synchronisation von Kontakt- und Kalenderdaten bis hin zum Androiden ist ein absolutes Highlight und das alles aus einer Hand …
      Freut mich wenn ich dir ein wenig Mut machen konnte.
      Karsten

  2. Sehr guter Bericht…Danke

    Bin selbst gerade am testen und habe alles soweit eingerichtet !
    benutze zum test den pc Client 1.4 beta und das aktuellste Packet für die Synology Diskstation (Ich habe die DS209)

    ABER die Performance!!!
    oje… Ich habe ein ganzes Laufwerk mit 109GB eingebunden um es in die eigene Cloud zu stellen!
    aber die Synchronisierung braucht dafür umgerechnt auf die jetzige Übertragungsgeschwindigkeit ca. 10Tage!!

    zur Zeit übertägt sie gerade mal zwischen 200 und 500KB Packte

    Ich frage mich wo ist der Flaschenhals ??!!

    Ich habe verschiedene Test gemacht mit unterschiedlichen Dateien (Video… Musik… Bilder…. und Office Dateien)
    Da gibt es große Unterschiede im Synchronisierungs Tempo bei Videos super ca. 40 MB bei Office Dateien tropft es nur im KB bereich und die 109GB sind zu 90% Office Dateien.

    Was habe ich nicht beachtet oder falsch eingestellt??

    Für einen Tipp wäre ich sehr dankbar…

    Gruß siggi schmid

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